Demenz und Depression

Anneliese Strohhäusl leitet die Mobilen Dienste in Bruck an der Mur. Auch bei dementen KundInnen baut ihr Team solides Vertrauen auf, um die notwendigen Hilfestellungen anbieten zu können.

Wir haben eine Kundin; Frau Gertrude. Da hat es geheißen, sie sei dement und sie hatte auch alle Anzeichen nach außen hin. Die Kundin hat  jede Woche im Büro angerufen, „wo ist meine E-Card“. Zuerst muss man eine/n MitarbeiterIn finden, wo der Draht so passt, dass die Kundin aufmacht. Das hat geklappt und die Diplomierte Schwester, die zu Beginn einmal wöchentlich hingegangen ist, um die Tabletten einzuteilen, hat den Verdacht geäußert, da könnte zusätzlich eine Depression im Spiel sein. Irgendwann wurde sie dann von einem Facharzt untersucht. Der hat dann für alle überraschend diagnostiziert, dass sie gar keine Demenz hat.

Die Heimhilfe geht jetzt zwei mal wöchentlich hin und macht mit ihr Gedächtnistraining. Die Frau blüht auf, die haben Spaß. Die kann sich plötzlich an Sachen erinnern. Seither kriege ich nie mehr einen Anruf wegen der E-Card. Nie mehr.

 

Wir müssen uns das Vertrauen erarbeiten. Oft muss man zuerst einen Draht aufbauen, dass die Kundin aufmacht. Im mobilen Dienst sind wir die Gäste und haben die Bedingungen dort zu akzeptieren, ob es uns gefällt oder nicht. Der Wille der Kundin zählt. Ausser es ist Gefahr im Verzug. Und das haben auch die Angehörigen zu akzeptieren. Da sind wir auch manchmal Puffer.

Man erlebt auch im mobilen Bereich Dinge, die gibts im Stationären nicht. Eine Kollegin hat mir erzählt von einem Bergbauern, der jetzt schon über 90 Jahre alt ist. Der bewirtschaftet mit seiner Frau den Hof und der akzeptiert gerade mal einen Verbandswechsel. "Des kost ja alles was". Aber er liebt es, wenn die Mobilen kommen. Der Nachbar bringt die KollegInnen mit dem Traktor im Winter zum Hof, weil normale PKWs da nicht mehr hinkommen.

Und letztes Mal sagt er: "Die Kuh finde ich schon einen ganzen Tag nicht." Die Kuh sei weg. Die Dinge nehmen ihren Lauf und die Kollegin geht ins Badezimmer das Wasser fürs Fußbad holen. Steht die Kuh im Badezimmer.

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Melanie Rami, MA

Kampagnenmanagement

melanie.rami@volkshilfe.at

+43 (0) 676 83 402 228

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