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Ältere Menschen müssen oft noch etwas in Frieden bringen, berichtet Ingrid Bedenik, Maltherapeutin vom Demenzteam Burgenland.

Ältere Menschen wollen manchmal noch ein bestimmtes Ziel erreichen. Herr Matzinger wollte unbedingt noch ein Stück fürs Burgtheater schreiben. Der war Professor an einem Gymnasium - für Deutsch nehme ich an - und er hat Lyrik-Bände verfasst. Bei ihm hatte man einen Bonus, wenn man sich ein bisschen ausdrücken kann. Mit mir hat er sich gerade abgegeben, aber ein Buch hat er mir geschenkt. Als er schon schwer dement war, hat er diese Unruhephase bekommen. Da musste er immer in Bewegung sein und weg - denn es steht noch was Dringendes an. Ich bin hinterher und habe gefragt, was lost ist. Da hat er mir erzählt, dass er gerne noch etwas Großes hinterlassen würde. Für ihn war eben das Größte was man erreichen kann ein Stück, das im Burgtheater gespielt wird. Leider hat seine Krankheit eine solche Anstrengung nicht mehr erlaubt.

Ältere Menschen müssen oft noch etwas in Frieden bringen. Frau Linsinger berichtete ein halbes Jahr von einer unglücklichen Liebe aus ihrer Jugend. Mit ganz starker emotionaler Beteiligung. Es ging um einen Franzosen, wahrscheinlich eine Geschichte aus der Besatzungszeit. Irgendwie sind die beiden nicht zusammen gekommen. Und diese Unmöglichkeit des Zusammenkommens, wo doch so viel Liebe und Zuneigung da war, hat sie sehr traurig gestimmt. Episoden und Situationen aus dieser Geschichte sind immer und immer wieder gekommen. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln zum Teil mit veränderten Details. Und plötzlich aus. Dann wird nie wieder davon geredet. Das ist ein Form der Aufarbeitung. Bei der die Dame mit diesem Thema in Frieden kommt.

Auch bei Frau Eisiger kam eine Geschichte immer und immer wieder. Mindestens drei, vier Monate. Es ging um ihre Verwandten, zu denen sie ein recht schwieriges Verhältnis hatte. Da ging es irgendwie um Geld und den Vorwurf, sie sei geizig. Eine unschöne Situation, aber sie war auch nicht zimperlich und dürfte gut ausgeteilt haben. Das geht also vier Monate so, dass sie immer wieder darauf zu sprechen kommt. Bis das Thema erledigt ist und nie mehr ein Wort darüber gefallen ist.

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