Was Kinder brauchen und was ihnen zusteht

Über 70 Organisationen fordern Kinderkostenstudie.

Wien, 6.12.2017

Wohnen, Essen, Kleidung, Wohnraum, Ausgaben für Kinderbetreuung und Schule oder auch Freizeit und Urlaub – die Kosten, die Familien für ihre Kinder abdecken müssen und wollen sind vielfältig und unterschiedlich, weiß Erich Fennigner, Direktor der Volkshilfe Österreich: "Dass Kinder etwas kosten, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, wie hoch diese Kosten sind. Denn die Werte der Regelbedarfsätze, die für Kinder je nach Altersstufe einen bestimmten Bedarf festlegen, gehen auf das Jahr 1964 zurück. Zwar werden sie jährlich an den Verbraucherindex angepasst, aber der Warenkorb und die kindlichen Bedürfnisse haben sich in den letzten 50 Jahren massiv verändert."

Artikel 27 der Kinderrechtskonvention anerkennt das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an. Damit sind nicht nur Schutzrechte von Kindern (zum Beispiel vor Missbrauch oder Ausbeutung) garantiert, sondern auch ihr Zugang zu Gütern des täglichen Bedarfs (Versorgungsrechte) und ihre selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (Beteiligungsrechte). Fenninger: „All diese Punkte müssen vom Gesetzgeber gesichert werden. Und damit sind Kosten verbunden – ihre genaue Höhe zu kennen muss die Grundlage für jede sachorientierte und zukunftsweisende Familienpolitik sein.“

Um jedes Kind bestmöglich fördern und stärken zu können, müsse in erster Linie eruiert werden, was Kinder brauchen, welche Bedürfnisse sie haben. Das gelte insbesondere für jene Kinder, deren Lebenswelten eingeschränkt sind, da sie in Armut aufwachsen müssen.
Für sie ist die Volkshilfe seit Jahrzehnten aktiv: Über Angebote vor Ort wie integrative Tagesbetreuungseinrichtungen, sozialpädagogische Familienhilfe oder arbeitsmarktpolitische Projekte für ausgrenzungsgefährdete Jugendliche. Darüber hinaus über Leuchtturmprojekte wie das Projekt „Kinderzukunft“, mit welchem Lebensbedingungen von armutsbetroffenen Kindern konkret verbessert und so gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird.

Gerade armutsbetroffene Kinder haben keine Lobby, ihre Anliegen finden in Budgetierungsprozessen kaum Gehör. Deshalb hat die Volkshilfe Österreich den Brief mit der Forderung nach Verankerung und Budgetierung der Durchführung einer neuen Kinderkosten-Erhebung (Kinderkostenstudie) im Regierungsprogramm, der heute an alle Klubobleute sowie an die beiden VerhandlerInnen der Fachgruppe Soziales geschickt wurde, mit initiiert. Diese Forderung hat eine breite Unterstützung erfahren - über 70 Organisationen sowie Einzelpersonen aus Wissenschaft und Praxis haben den Brief unterzeichnet. "Mit der Forderung nach einer Kinderkostenstudie setzen wir gemeinsam ein wichtiges Zeichen dafür, die Anliegen von Kindern endlich wieder ernst zu nehmen und ihre Lebenswelten zu erweitern. Denn jedes Kind verdient alle Chancen." so Fenninger.

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