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Besuch in der Sozialkantine

Während der Eröffnung durchschnitt Andreas Schaller (BMASK) das traditionelle Eröffnungsband

Ende Juni 2013 trafen sich VertreterInnen vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK), WienWork und Volkshilfe in Moldau zur feierlichen Eröffnung der Sozialkantine in Razeni, einem kleinen Ort 30 Kilometer von der Hauptstadt Chisinau entfernt. Andreas Schaller vom BMASK war Teil dieser Delegation und berichtet im Interview von seinen Eindrücken, der Bedeutung des Projektes für die Menschen der Region und den Herausforderungen für Hilfsprojekte in Moldau.

Wien, 22.11.2013

Volkshilfe: Sie selbst haben die Sozialkantine anlässlich der Eröffnung diesen Sommer besucht. Können Sie Ihren persönlichen Eindruck vom Land und den dort lebenden Menschen schildern?

Andreas Schaller: In Rahmen der offiziellen Eröffnung der Sozialkantine war ich heuer im Juni zum ersten Mal in der Republik Moldau. Die vorherrschende Armut, die triste soziale Situation und vor allem die Lebensbedingungen von sozial benachteiligten Menschen, Kindern, älteren Menschen und Menschen mit Behinderung sind  schockierend. Im Zuge meines Besuches haben wir ältere und verarmte Menschen in den Dörfern besucht, die unter den schwierigsten Bedingungen leben. Doch trotz der tristen sozialen Lebensumstände sind diese Menschen warmherzig, offen und gastfreundlich. Ich freue mich, dass das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz einen kleinen Beitrag zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung in Moldau leisten kann.
 

Volkshilfe: Konnten Sie bei Ihrem Besuch bereits die Küche der Sozialkantine selbst testen?

Andreas Schaller: Nach der Eröffnungsfeier der Sozialkantine wurden die internationalen Gäste und moldauischen Partner zu einem Mittagessen eingeladen, bei dem die MitarbeiterInnen der Kantine die regionalen Köstlichkeiten der moldauischen Küche auftischten. Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Speisen und den Kochkünsten der MitarbeiterInnen der Sozialkantine. Seit knapp zwei Monaten ist nun auch der Cateringbetrieb angelaufen, der bereits sehr viele Aufträge hat und natürlich auch von Seiten unseres Sozialattachés in Kischinau, Herrn Georg Reibmayr, für seine Seminarveranstaltungen gerne genutzt wird. Die SeminarteilnehmerInnen sind immer sehr angetan, nicht nur von den Speisen, sondern auch von der Professionalität der Abwicklung. Ich hoffe, dass durch die verstärkten Marketingaktivitäten, wie die Schaffung einer eigenen Website für die Sozialkantine, jetzt noch mehr Werbung für die Aktivitäten der Sozialkantine gemacht werden kann. Außerdem versuchen wir das Projekt über unser Attachébüro noch besser vor Ort zu verankern und zu vernetzen, was letztlich auch dem Cateringbetrieb zugute kommt.

Volkshilfe: Was bedeutet das Projekt Sozialkantine für die Menschen der Region?

Andreas Schaller: Die Sozialkantine ist ein ausgezeichnetes „Best practice“-Beispiel für die Stärkung des sozialen Zusammenhalts in der Region. Wir haben dabei drei Ansätze verfolgt: Erstens wollen wir Jugendlichen mit Behinderung, die in der Region geringe Chancen zur berufliche Integration haben, eine Ausbildung vermitteln und ein Einkommen ermöglichen. Der sozialökonomische Betrieb - etwas ganz Neues in Moldau – ist dafür ein geeignetes arbeitsmarktpolitische Mittel. Zweitens wollen wir auch durch die Sozialkantine die armutsgefährdete Bevölkerung in Razeni und Umgebung mit Speisen versorgen. Und als dritte Säule etabliert sich gerade der Cateringbetrieb, der auch Eigenmittel erwirtschaften soll, um dem Gesamtprojekt eine langfristige Perspektive zu geben.


 

Volkshilfe: Sind weitere Projekte in der Region bzw. in Moldau geplant bzw. gibt es bereits andere Projekte und wenn ja, welche Schwerpunkte haben sie?

Andreas Schaller: Von Seiten des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz werden noch zwei andere Projekte in Moldau mit österreichischen Projektträgern finanziell unterstützt. Bei dem einen Projekt wird ein Know-how- und Wissenstransfer im Bereich der beruflichen Rehabilitation von Menschen mit Behinderung in Form von Fachseminaren gefördert. Österreichische ExpertInnen geben ihren moldauischen Partnern Einblicke in das österreichische System der beruflichen Rehabilitation und entwickeln gemeinsam Empfehlungen für Maßnahmen in der Republik Moldau. Im Rahmen des zweiten Projekts wird in Straşeni, einem Dorf rund 30 Minuten Fahrzeit von Kischinau entfernt, die mobile Heimpflege für ältere Menschen unterstützt. HeimhelferInnen besuchen einmal in der Woche rund 40 alte und pflegebedürftige Menschen, um sie mit dringend benötigten Medikamenten und Lebensmitteln zu versorgen und gleichzeitig  bei der Hausarbeit zu unterstützen. Besonders wichtig für dieses Projekt sind auch der soziale Kontakt und die Ansprache, da viele dieser älteren Menschen gänzlich allein gelassen sind.
 

Volkshilfe: Was sind die größten Herausforderungen für Hilfsprojekte in Moldau?

Andreas Schaller: Von unseren Projektpartnern vor Ort hören wir immer wieder über die Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit den lokalen und regionalen staatlichen Stellen. Es ist bedauerlich, dass es hier an der staatlichen Unterstützung mangelt, was durch die begrenzten Ressourcen bedingt ist. Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre hier mehr Engagement von den staatlichen Behörden wünschenswert, wie wir es von Projekten in anderen Ländern kennen. Was die KollegInnen der moldauischen Projektorganisationen betrifft, bin ich immer wieder überrascht, mit welchem Engagement und welcher Professionalität sie trotz der beschriebenen Umstände vor Ort an der Projektumsetzung arbeiten und dabei immer wieder auch neue und innovative Initiativen mit einfließen lassen.

Volkshilfe: Vielen Dank für das Interview!

Mehr Informationen zum Projekt unter: www.volkshilfe.at/moldau

Im Bild: Im Zuge der Eröffnungsfeier der Sozialkantine durchschnitt Andreas Schaller (BMASK) das traditionelle Eröffnungsband.

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