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Mehr Chancen für Jugendliche

Wien, 14.11.2012

Die Volkshilfe startete im April 2012 ein neues Hilfsprojekt in Razeni, einem kleinem Dorf in Moldau. Projektmitarbeiterin Ulrike Votypka erzählt im Interview, warum Sie sich für die Verbesserung der Lebensumstände in Razeni einsetzt.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Was hat Sie dazu bewogen, sich für soziale Projekte zu engagieren?

Ulrike Votypka: Mit 18 Jahren habe ich entschieden nach Rumänien zu gehen. Entstanden ist dies durch einen spontanen Medikamententransport, der durch die damalige Hochschülerschaft organisiert wurde. Schon damals stellte ich fest, dass das Soziale mein Herzblut ist.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Wie können Sie unseren LeserInnen die Situation in Moldau beschreiben?

Ulrike Votypka: Das Stadtbild wird von Plattenbauten geprägt und infrastrukturelle Einrichtungen oder ein Gehsteig bleiben auch in ferner Zukunft ein Wunschdenken der Bevölkerung. Die wirtschaftliche Lage hat sich in den vergangenen Jahren zwar ein wenig verbessert, dennoch hat das Land mit weitverbreiteter Armut zu kämpfen. Das Problem liegt an der Abgeschiedenheit des Landes zu anderen Ländern und dem damit verbundenen mangelndem Jobangebot.

Für die Außenwelt präsentiert sich das Land, mit seinen bunten Reklamen und modernen Homepages, an den Westen angepasst. Der Schein trügt jedoch. Die verheerenden Wohnsituationen und die Hoffnungslosigkeit der arbeitslosen Menschen bestätigen dies.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Wie kann man sich die Lebensverhältnisse einer Familie aus Razeni vorstellen?

Ulrike Votypka: Ich habe bereits selbst sehr viele Familien aus Razeni über ihre Lebenssituation interviewt. Der Alltag gestaltet sich meist in den eigenen vier Wänden. Nach persönlichen Einschätzungen würde ich daher sagen, dass 80% der Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Der Großteil, der dort lebenden Menschen ernährt sich durch den Eigenanbau. Ein kleiner Obst- oder Gemüsegarten und ein paar Hühner zählen zu den Grundnahrungsmitteln. Der Zukauf von Lebensmitteln aus Nachbarorten wird aufgrund der hohen Kosten und der großen Distanz erschwert bzw. ist für viele Familien unmöglich.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Wem kommt bei dem Projekt besondere Unterstützung zu?

Ulrike Votypka: Das Projekt beschäftigt sich mit der Integration von geistig und körperlich benachteiligten Jugendlichen, die in den Arbeitsalltag und somit in die Gesellschaft integriert werden sollen. Das bisschen Geld, das sie dabei verdienen, sichert wiederum den Unterhalt der Familie.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Worum geht es in dem Sozialprojekt konkret?

Ulrike Votypka: Geplant ist die Renovierung des vor Ort vorhandenen Sozialzentrums. In diesem soll bis Jänner 2013 eine Kantine eingerichtet werden, die den Jugendlichen als Arbeitsstätte und sozialer Treffpunkt zur Verfügung steht. Die Kantine erfüllt zudem einen weiteren Zweck. Die von den Jugendlichen gekochten Mahlzeiten werden einmal pro Tag an die an Armut leidende örtliche Bevölkerung verteilt.

Ein weiteres Ziel ist die Einführung eines Cateringservices im kleinen Rahmen. Nahegelegene größere Ortschaften sollen mit Brötchen oder ähnlichem beliefert werden.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Wie hat sich Ihr erster Besuch in Razeni gestaltet?

Ulrike Votypka: Hätte ich in dem Bereich nicht bereits schon jahrelang Erfahrung gesammelt, wäre ich bei meinem ersten Besuch schockiert gewesen. Stromkabel hängen wirr von den Dächern. Es gibt kein Warmwasser und die fehlende Infrastruktur schränkt die BewohnerInnen in ihrer Bewegungsfreiheit drastisch ein.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Auf welche besonderen Herausforderungen stoßen Sie bei der Arbeit im Zuge des Projekts?

Ulrike Votypka: In Moldau ist es nicht erlaubt, Personen ohne adäquate Ausbildung in der Gastronomie einzustellen. Wir versuchen daher, Trainingsarbeitsplätze zu schaffen, um die dortigen arbeitsrechtlichen Auflagen zu erfüllen und Jugendlichen ohne Ausbildung so eine Chance zu bieten.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Was erhoffen Sie sich nach Abschluss des Projekts?

Ulrike Votypka: Meine Vision ist es, den Menschen und vor allem den Jugendlichen in Razeni eine Chance auf eine sich positiv ändernde Lebenssituation zu geben. Das Sozialzentrum soll der Anfang einer hoffnungsvollen Zukunft sein.

Volkshilfe Magazin für Menschen: Danke für das Interview!

Ulrike Votypka, Expertin für berufliche Integration und Öffentlichkeitsarbeit des gemeinnützigen Unternehmens Wien Work, stellt ihr Know-how für das Hilfsprojekt in Moldau zu Verfügung. Weiters unterstützen die ExpertInnen von Wien Work Gastro den Aufbau der Sozialkantine und des Caterings in Razeni. www.wienwork.at

Mehr Informationen zum Projekt auch unter: www.volkshilfe.at/moldau

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