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„Umgang mit Roma muss sich in Europa verändern“

Ein Kommentar von Volkshilfe Präsident Univ. Prof. Dr. Josef Weidenholzer.

Wien, 04.10.2013

Die Lage der Roma in Europa hat sich in den letzten Jahren kaum verbessert. In Tschechien sorgten jüngst rechtsradikale Proteste in Roma-Vierteln für Aufsehen. Im Hochsommer wurde den BewohnerInnen einer Roma-Siedlung in Ungarn das Trinkwasser abgestellt. Frankreich vertreibt seit Jahren wahllos Roma aus dem Land.

Doch auch in Österreich ist Fremdenhass und Hetze gegen Roma keine Seltenheit. Erst Anfang September suchten 20 Jugendliche nachts einen Parkplatz auf, wo 100 Roma legal campierten. Es kam zu Wortgefechten und Sachbeschädigungen. Im Frühjahr gab es in Linz einen Angriff auf die Ausstellung der Künstlerin Marika Schmiedt, die auf die Lage der Roma in Europa aufmerksam machte. Die Polizei ließ die Ausstellung entfernen.

Alle diese Vorfälle zeigen, wie dringend es notwendig ist, Maßnahmen zu setzen, um Roma zu integrieren und vor Fremdenhass zu schützen. Die Volksgruppe der Sinti und Roma ist die größte Minderheit in Europa. Der Europarat schätzt die Zahl der Roma in Europa auf etwa 2 Millionen Menschen. Mit der EU-Erweiterung 2004 sind viele Roma EU-BürgerInnen geworden. Die Frage der Roma hat eine europäische Dimension.

Laut einer Untersuchung der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) ist bereits jede/r Zweite Opfer von ethnisch motivierten Diskriminierungen geworden. Die Mitgliedstaaten stehen hier in der Verantwortung, denn ohne den politischen Willen vor Ort geht es nicht. Das Verbot von Diskriminierung ist ein Grundrecht, das für alle uneingeschränkt gelten und eingefordert werden muss.

Eines ist klar: Worte reichen hier nicht aus, es braucht Information, Aufklärung und aktive Handlungen. Die Europäische Union stellt finanzielle Mittel für Integrationsprojekte bereit. Entscheidend ist, dass die Mitgliedstaaten diese Mittel auch klug einsetzen und nicht für andere regionale Aufgaben heranziehen.

Die Volkshilfe unterstützt seit 2005 mit der Initiative THARA Roma in Wien beim Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt: www.volkshilfe.at/thara


Bildnachweis: Moritz Wustinger

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