Volkshilfe-Sozialbarometer: Pflege darf keine Frage des Einkommens sein!

Fenninger: "Höchste Zeit für Mindeststandards!"

Wien, 18. September 2017

„In Würde altern, selbstbestimmt leben, schmerzfrei sein, die eigenen Schamgrenzen selbst festlegen und sterben ohne einsam zu sein. Das muss auch in Zukunft für alle Menschen möglich sein“, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich bei der heutigen Pressekonferenz anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September. Er sieht das Pflegesystem in Österreich mit vielen Herausforderungen konfrontiert. „Unser neuester Volkshilfe Sozialbarometer zeigt, dass die Österreicherinnen und Österreicher die Sorge um die Zukunft der Pflege teilen und von der Politik heute Antworten für die Fragen von morgen erwarten.“

Einheitliche Qualitätsstandards sicherstellen!

Es braucht endlich bundeseinheitliche Mindeststandards für Qualität und Leistungen von Alten- und Pflegeeinrichtungen, das sehen 91% der im Sozialbarometer Befragten so. „Zu der nicht vorhandenen Einheitlichkeit fehlen auch oft Daten über die Einhaltung bestehender Qualitätsstandards“, zeigt Fenninger auf. „Als Pflegedienstleisterin ist der Volkshilfe Kontrolle wichtig. Mit unangekündigten Überprüfungen der Bezirksbehörden, Begehungen des Arbeitsspektorats, Sicherheitsfachkräften und ArbeitsmedizinerInnen sowie der Lebensmittelbehörde können wir unseren KlientInnen auch in stationären Einrichtungen bestmögliche Pflege und Betreuung garantieren.“

Inflation darf nicht das Pflegegeld kürzen und mobile Pflege muss für alle leistbar sein!

Das Pflegegeld soll notwendige Pflege sichern und pflegebedürftigen Menschen sowie ihren Angehörigen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, sagt der Direktor. „Dieses Ziel kann langfristig nur erreicht werden, wenn die Leistung an die tatsächlichen Kosten angepasst wird. Dazu gehört auch die Anpassung an die Inflation.“ Der Sozialbarometer zeigt, dass die ÖsterreicherInnen dem zustimmen. Fast neun von zehn Befragte (89%) sprechen sich dafür aus, dass das Pflegegeld jährlich angepasst werden muss. Zudem stimmen 92% der Forderung nach einer einkommensabhängigen Staffelung der Kosten für mobile Pflege zu. „Ob man mobile Pflege in Anspruch nehmen kann, darf nicht von der Geldbörse abhängen!“, sagt Fenninger.

Risiko Pflege solidarisch absichern!

Eine weniger eindeutige Position haben die ÖsterreicherInnen bei der Frage nach der Finanzierung der Pflege. Jeweils etwas weniger als die Hälfte der Befragten (44%) spricht sich dafür aus, dass die Pflege durch eine zweckgebundene Erbschaftssteuer finanziert werden soll. Jeweils die andere Hälfte (45%) lehnt diese Finanzierungsform ab. „Nicht nur, weil die Frage der Finanzierung die Menschen bewegt, sondern auch, um das gute Pflegesystem in Österreich auch für die Zukunft garantieren zu können, ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen für eine Sicherung der Pflegefinanzierung zu schaffen.“ Der Direktor fordert, das Lebensrisiko Pflege solidarisch durch einen Mix aus Versicherungs- und Steuerleistungen solidarisch abzusichern.

Rechtsanspruch auf Pflegekarenz einführen!

Ziel der im Jahr 2014 eingeführten Pflegekarenz und Pflegeteilzeit ist eine bessere Vereinbarung von Pflege und Beruf. Diese Leistungen werden jedoch nur wenig in Anspruch genommen: Während rund 336.000 Menschen durch Angehörige bzw. mit Hilfe von Pflegediensten gepflegt werden, gab es im Jahr 2015 nur 2.577 positiv bewilligte Anträge auf Pflegekarenzgeld. „Diese Zahlen zeigen, es braucht einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit.“, sagt Fenninger und 87% der im Sozialbarometer Befragten stimmen ihm zu.

Nicht zuletzt anlässlich des Welt-Alzheimertages fordert der Direktor einen verbesserten Umgang mit Demenz: „Demenz zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen und stellt damit eine große soziale Herausforderung auf vielen Ebenen dar. Im Zuge der Umsetzung der Demenzstrategie sind wir alle gefordert, mehr Aufklärung und Information über die Krankheit und dem damit einhergehenden Krankheitsbild zu leisten. Enttabuisieren, informieren und konkret die Lebensbedingungen der betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen zu verbessern, das ist das Gebot der Stunde.“

Mehr Infos

>> Alle Ergebnisse des Volkshilfe Sozialbarometers
>> Alle Fakten und Foderungen im Überblick
>> www.volkshilfe.at/sozialbarometer

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