Volkshilfe zur Ausweitung von Arzneiversuchen an Demenzerkrankten in Deutschland

Gross & Fenninger: „Wenn Personen für Tests herangezogen werden, die davon keinen direkten Nutzen haben, wird Missbrauchsrisiko Tür und Tor geöffnet!“

Wien, 6. Juli 2016

In der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause wird der deutsche Bundestag über einen höchst fragwürdigen Gesetzesentwurf abstimmen. Dieser schlägt die Ausweitung von Arzneiversuchen an Demenzkranken vor. Konkret soll nicht mehr – wie bisher – die Ethikkommission im Fall der Erkrankung entscheiden, ob Studien an der demenzerkrankten Person durchgeführt werden, die diesen zwar oftmals viele Jahre bevor es tragend wird, zugestimmt hat. Der neue Gesetzesentwurf sieht vor, dass es zukünftig erlaubt ist, Arzneimittel an sogenannten „nicht einwilligungsfähigen“ Personen zu testen, ohne dass die Teilnahme an den Medikament-Studien einen unmittelbaren Nutzen für die betroffene Person hat.

Barbara Gross, Präsidentin der Volkshilfe Österreich und Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich stufen den Gesetzesentwurf als höchst gefährlich ein: „Hier wird über Menschen hinweg entschieden, die die Konsequenzen ihrer ehemaligen Entscheidung vielleicht nicht mehr Widerrufen können. Besonders schutzbedürftige Menschen für Medikamententests zu missbrauchen, ohne die Ethikkommission mit einzubeziehen und noch dazu unabhängig davon, ob die Teilnahme für die Person einen unmittelbaren Nutzen haben kann, ist eine nicht zu akzeptierende Bevormundung“, sind sich die Präsidentin und der Direktor einig. Mit dieser in Deutschland geplanten Novelle wäre der Schutz aus Sicht der Betroffenen nicht mehr ausreichend gegeben.

BefürworterInnen des Entwurfs sehen den prognostizierten Anstieg von Betroffenen als ausreichendes Argument für die Umsetzung des neuen Vorschlages: Es brauche wirksame Medikamente. Gross: „Die in Deutschland geführte Debatte gibt Anlass, einmal mehr auf Unterstützungsmaßnahmen für Betroffene und ihre Angehörigen zu pochen. Diese werden immer noch sehr oft völlig alleine gelassen und sind mit der Situation überlastet. Hier muss man ansetzen. Betreuungsangebote und Angehörigenberatung müssen ausgebaut und die Menschen über die Krankheit aufgeklärt werden, damit sie mit der Situation besser umgehen können, wenn sie eintritt“. Fenninger fügt hinzu: „Die deutsche Politik setzt stattdessen einen Schritt in Richtung einer ethisch nicht mehr hinterfragten Entmündigung demenzerkrankter Menschen“.

Demenzhilfe Fonds Österreich
Die Volkshilfe-VertreterInnen fordern sich seit Jahren gezieltere Unterstützung und vor allem mehr Teilhabe und Partizipation von Demenzerkrankten – auch im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium. Die Organisation selbst geht mit gutem Beispiel voran und hat gemeinsam mit einer Stiftung den Demenzhilfe Fonds ins Leben gerufen. Seit März 2012 können Demenzerkrankte und/oder deren Angehörige um Unterstützung ansuchen: „Finanziell und sozial benachteiligte Menschen können sich die oft notwendige Unterstützung und Beratung nicht leisten. In solchen Fällen hilft die Volkshilfe mit Geldern aus dem Fonds Demenzhilfe Österreich“, erklärt Barbara Gross abschließend.

Alle Informationen sowie das Antragsformular finden Sie unter www.demenz-hilfe.at/fonds

Presseanfragen und weitere Informationen

 

Melanie Rami, MA        
Pressesprecherin
0676 83 402 228
melanie.rami@volkshilfe.at

Presseaussendung verpasst?


Gerne nehmen wir Sie in unserem Presseverteiler auf. Schicken Sie uns Ihre Anfrage per E-Mail an kommunikation@volkshilfe.at

Nutzen Sie auch unser Pressearchiv und unsere digitale Pressemappe auf OTS.

 

VOLKSHILFE ÖSTERREICH | Auerspergstraße 4, 1010 Wien | MAIL office@volkshilfe.at |  drucken       

BIC BAWAATWW | IBAN AT77 6000 0000 0174 0400