Volkshilfe zum Tag der Arbeitslosen: Hohe Arbeitslosigkeit darf nicht Normalzustand werden

Fenninger: Bei einer halben Million Arbeitslosen muss Schluss sein mit Schmarotzerdebatten!

Wien, 30. April 2016

„Das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben betrifft mit voller Härte die ohnehin schon benachteiligten Gruppen, wie erwerbstätige Mütter, Personen ohne berufliche Ausbildung, Kranke und Ältere sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Statt Unterstützung erfahren sie häufig die Verwandlung der eigentlichen Ursachen in Eigenschuld. Ihnen wird persönliches Versagen vorgeworfen, anstatt den Fehler im System aufzuzeigen und zu beheben“, zitiert Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe den deutschen Soziologen Ulrich Beck anlässlich des Tages der Arbeitslosen.

Arbeitslosenquote darf nicht länger Normalzustand bleiben.
367.576 Menschen in Österreich waren im März 2016 arbeitslos. „Ein Trend, der sich seit Jahren fortsetzt. Einen Arbeitsplatz zu finden, wird immer schwieriger; das zeigt auch die durchschnittliche Vormerkdauer“, beschreibt Fenninger. Diese liege mittlerweile bei 184 Tagen und bedeute somit ein Plus von 42 Tagen gegenüber dem Vorjahr, so der Direktor. „Besonders bedenklich ist, dass immer mehr Menschen in dieser Situation bleiben. Die Anzahl an langzeitarbeitslosen Personen ist deutlich angestiegen“. Außerdem werde die Situation auch für jene, die Arbeit finden, immer schwieriger. Bereits 291.000 Menschen verdienen trotz Erwerbstätigkeit unter 1.161 Euro im Monat und leben somit unter der von der EU definierten Armutsgefährdungsschwelle. „An diese Situationen dürfen wir uns nicht gewöhnen. Es bedarf dringend umfassender Maßnahmen in allen Politikfeldern“.

Arbeitsvolumen steigt seit Wirtschaftskrise nicht mehr an.
Aktuellste Daten der Statistik Austria verdeutlichen, dass die Zahl der Erwerbstätigen seit 2004 um 11,9% gestiegen ist, jedoch die geleisteten Arbeitsstunden nur um 0,6%. „Das bedeutet, dass sich aktuell mehr Menschen dieselbe ‚Arbeitsmenge“ teilen als noch im Jahr 2004. Obwohl immer mehr Menschen in den Arbeitsmarkt drängen, steigt das Volumen an Arbeit nicht mehr an. Ergebnis ist die Ausweitung der Teilarbeitszeit im Austausch für Vollarbeitszeit und das Entstehen einer immer größeren Anzahl an prekären Beschäftigungsverhältnissen“, sagt Fenninger. Zwischen 2004 und 2014 nahm die Teilzeitbeschäftigung um 60% zu, während die Vollzeitbeschäftigung de facto stagnierte (+0,3%).

Es braucht Maßnahmen, die wirken!
Ein erster wichtiger Schritt wäre die Erhöhung der Zuverdienstgrenze bei Bezug von Arbeitslosengeld, Notstandshilfe oder Mindestsicherung. Außerdem braucht es eine Erhöhung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld“, sagt Fenninger: „Dadurch würde auch die Mindestsicherung entlastet werden“. Um die Chancen jener Personen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind zu erhöhen, braucht es zudem Qualifizierungsangebote, die an der Lebensrealität der betroffenen Personen orientiert sind: „Maßnahmen, die auf Druck aufbauen sind kontrakproduktiv. Die freiwillige Teilnahme, eine adäquate Einbindung in den Prozess der Reintegration, sinnhafte Tätigkeitsfelder und Wahlmöglichkeiten sind ausschlaggebend für den Erfolg“, so Fenninger abschließend.

Vor allem fordert der Direktor auch Maßnahmen für Menschen, die an den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes scheitern: „Für Menschen, die beispielsweise nur eingeschränkt arbeitsfähig sind braucht es adäquate, dauerhafte und stabile Beschäftigungsmöglichkeiten. Momentan gibt es nur für Menschen mit Behinderung Dauerarbeitsplätze in integrativen Betrieben“. Außerdem fordert Fenninger den Zugang zum Arbeitsmarkt für AsylwerberInnen, die sich bereits seit sechs Monaten in Österreich aufhalten:  „Im Sinne der Integration wäre es am besten, AsylwerberInnen in jene Strukturen einzubetten, die bereits bestehen und die Erfahrungen in der Integration und Vermittlung in den Arbeitsmarkt haben“, sagt der Direktor.

Generell sei ein existenzsicherndes Beschäftigungsverhältnis die Voraussetzung für die Vermeidung von Armut, sagt Fenninger: „Arbeit zu haben bedeutet darüber hinaus soziale Teilhabemöglichkeiten und ist zentral für das eigene Selbstbewusstsein“.

Die Volkshilfe im Bereich Arbeit
Der Bereich Arbeit ist nach der Pflege das zweitgrößte Betätigungsfeld der Volkshilfe. In 44 Projekten der Volkshilfe Landesorganisationen, der Volkshilfe Beschäftigung und Wien Work sind mehr als 450 MitarbeiterInnen dauerhaft beschäftigt. Über 4.000 langzeitbeschäftigungslose Personen, Menschen mit Beeinträchtigungen und Asylberechtigte finden pro Jahr einen Transitarbeitsplatz und bekommen die Chance auf Reintegration in den Ersten Arbeitsmarkt.

Die unterschiedlichen Projekte reichen von Beratungsprojekten (Beratung, Betreuung, Berufsorientierung, Arbeitsassistenz, Jobcoaching) über Ausbildungsprojekte (Lehrausbildung) und Beschäftigungsprojekte zu sozialökonomischen Betrieben (z.B. Gastgewerbe, Reinigung, Bürodienstleistungen, Schneiderei).

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