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Volkshilfe Österreich präsentiert neue Studie über Kinderarmut in Österreich

Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Erich Fenninger: „Wir müssen Armut unter dem Blickwinkel der Kinder stärker erforschen.“

Wien, 16.10.2013

Anlässlich des „Internationalen Tages gegen Armut“ stellt die Volkshilfe Österreich eine neue Studie zum Thema Kinderarmut in Österreich vor, die gemeinsam mit der Sozialökonomischen Forschungsstelle SFS durchgeführt wurde. In einer kritischen Bestandsaufnahme wurde die aktuelle Forschungslage zusammengefasst, die  Ergebnisse durch Interviews mit  „PraktikerInnen“ ergänzt.   

Dabei sind drei Punkte sehr deutlich geworden:

  • Kinder und Jugendliche werden in der österreichischen Sozialberichterstattung kaum als Subjekte, wie in der UN-Kinderrechtskonvention gefordert, wahrgenommen,  sondern als Teil armutsbedrohter Haushalte.  Oder gar als Ursache für Armutsbedrohung von Haushalten.  Die langfristigen Auswirkungen von Kinderarmut auf ihre Entwicklung sind in Österreich nicht erforscht.
  • Politik gegen Armut und Armutsbedrohung von Kindern und Jugendlichen in Österreich ist ebenfalls nur aus anderen Politikzielen abgeleitete Politik, etwa aus der Familienpolitik oder der Alterssicherungspolitik.
  • Kinderarmut ist ein sehr komplexes und mehrdimensionales Geschehen ist. Zumindest fünf Dimensionen wie materielle Versorgung, kognitive Entwicklung soziale Kompetenzen und physische und psychische Gesundheit müssen berücksichtigt werden. Die Reduktion auf Geldarmut der Eltern greift viel zu kurz. Zusätzlich wird durch die Konzentration auf Privathaushalte ein Teil der besonders von Armut und Ausgrenzung betroffenen Personengruppen (Personen, die in Heimen, Anstalten, Gefängnissen, Asylunterkünften etc. wohnen oder wohnungslos sind) nicht erfasst.

Auch die aktuellen Zahlen werden in der Studie angeführt: Die Armutsgefährdungsquote der Kinder und Jugendlichen bis einschließlich 17 ist in Österreich mit 15,4% höher als die der Gesamtbevölkerung (13%).

Mit einer Armutsgefährdungsquote von 15,4% in 2011, was 234.000 von Armut gefährdeten Kindern und Jugendlichen bis 17 entspricht, liegt die Quote wie bei den Erwachsenen deutlich unter dem EU-Durchschnitt (20,5%); jedoch hinter Ländern wie Norwegen (knapp unter 10%) Dänemark (knapp über 10%), Schweden, Zypern, Slowenien und der tschechischen Republik.

Aus den Gesprächen mit den „PraktikerInnen“ aus Jugendämtern und der langjährigen Erfahrung der Volkshilfe in der Unterstützung von armutsbetroffenen  Familien ergeben sich folgende Forderungen:

Kindergrundsicherung. Aufwachsen in Armut stoppen!

  • Erhöhung der Richtsätze in der Bedarfsorientieren Mindestsicherung
  • Rechtsanspruch auf Förderungen und Beihilfen

Kampf gegen Kinderarmut als Leitlinie der neuen Bundesregierung. Österreich darf kein Kind zurück lassen!

  • Mehr Forschungsarbeit: Langfristige Auswirkungen von Armut auf Kinder erforschen
  • Ausbau der Sozialarbeit als Begleitinstrument für Familien in schwierigen Lebensbedingungen. (z.B. Schaffung von Tageseinrichtungen für Kinder statt Heime)

Trendwende in der Bildungspolitik. Chancen geben, nicht nehmen!

  • Gemeinsame Schule der 10- bis 14-jährigen, um der frühen Selektion entgegen zu wirken
  • Ausbau der Schulsozialarbeit, rechtliche Verankerung von Schulsozialarbeit

Tag gegen Armut: Fachtagung und Straßenaktionen

Die Volkshilfe veranstaltet am Tag gegen Armut, 17.10.2013, eine Fachtagung zum Thema Kinderarmut in Österreich im Architekturzentrum des Museumsquartiers Wien. Alle  Infos unter www.volkshilfe.at/fachtagung, der Livestream ist abrufbar unter www.volkshilfe.at/livestream

Weiters wird der Tag gegen Armut auch zum Volkshilfe Aktionstag. In zahlreichen Veranstaltungen in ganz Österreich verteilen AktivistInnen Infomaterial, sammeln Spenden und machen auf das Thema Kinderarmut aufmerksam. Alle Infos unter www.volkshilfe.at/aktionstag

Im Bild: Anlässlich des „Tag gegen Armut“ präsentieren die Volkshilfe und die Sozialökonomische Forschungsstelle die Ergebnisse einer neuen Studie über Kinderarmut in Österreich: (v.l.) Andrea Reisinger (Sozialökonomische Forschungsstelle), Erich Fenninger (Volkshilfe Österreich), Tom Schmid (Sozialökonomische Forschungsstelle), Sonja Faltin (Sozialökonomische Forschungsstelle). Bildnachweis: Mike Ranz/Volkshilfe Österreich

Presseanfragen und weitere Informationen

 

Melanie Rami, MA        
Pressesprecherin
0676 83 402 228
melanie.rami@volkshilfe.at

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