Volkshilfe: Aufwachsen in Armut raubt Zukunftschancen

Sozialbarometer zeigt: Klares Bewusstsein bei österreichischer Bevölkerung über massive negative Folgen von Kinder- und Jugendarmut vorhanden

Wien, 10.11.2015

408.000 Kinder und Jugendliche sind in Österreich armuts- und ausgrenzungsgefährdet. „Kinder armutsgefährdeter Familien sind von Geburt an benachteiligt. Als Erwachsene sind sie häufiger arbeitslos und armutsgefährdet“, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich. Die Ergebnisse des neuesten Volkshilfe Sozialbarometers zum Thema Kinder- und Jugendarmut zeigen, dass die österreichische Bevölkerung diese Tatsache auch wahrnimmt. Darüber hinaus gibt es ein klares Bewusstsein für die Folgen von Kinder- und Jugendarmut: „Eine große Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass armutsbetroffene Kinder in der Schule Nachteile haben und sehen in Folge der Armut massive negative Auswirkungen auf den weiteren Lebensweg“, sagt Fenninger.

Wer Armutsgefährdete kennt, sieht negative Auswirkungen stärker

Der Volkshilfe Sozialbarometer zeigt, dass jene, die selbst Betroffene kennen, die negativen Auswirkungen klar erkennen. So meinen 87 % der Befragten, dass die Teilnahme an kostenpflichtigen Aktivitäten und Vereinen oder an Schulausflügen für Kinder aus armutsgefährdeten Familien nicht möglich ist. 80 % sind der Meinung, dass arme Kinder Nachteile in der Schule haben und weitere 77 % sehen massive Auswirkungen auf den weiteren Lebensweg.

Eigene Armutssituation wird unterschätzt

„Arm sind immer die anderen“, diese Erkenntnis aus Erhebungen aus Deutschland trifft auch auf den Sozialbarometer zu. In der repräsentativen Umfrage gaben nur 4 % der Bevölkerung an, dass die eigene Familie von einer Armutsgefährdung betroffen ist.

„Unterschätzt wird in Österreich nach wie vor auch der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit“, so Fenninger. Während 58 % der Befragten, die armutsgefährdete Kinder und Jugendliche kennen, glauben, dass Aufwachsen in ökonomischer Knappheit häufiger krank macht, glauben dies „nur“ 47 % jener, die Betroffene nicht kennen. Aktuelle Daten zeigen aber, dass sich Einkommensarmut negativ auf das Sterbealter auswirkt – Arme sterben früher. In mehreren Länderstudien zeigt sich, dass Kinder aus ärmeren Familien schlechter ernährt sind, sich häufiger verletzen, mehr Infektionskrankheiten und mehr Karies als ihre AltersgenossInnen aus wohlhabenderen Familien haben. „Diese Zusammenhänge müssen aufgebrochen werden“, fordert Fenninger.

Gute Bildung als Schlüsselfaktor

„Wir wissen, dass eine gute Bildung das Risiko, in Armut zu geraten vermindert. Auf der anderen Seite beschränkt Armut die Möglichkeit, eine gute Bildung zu erreichen“, erklärt Fenninger und bezieht sich dabei auf zahlreiche Studien, die den Zusammenhang zwischen sozialem Status und Bildung der Eltern mit den Bildungschancen derer Kinder belegen. So gehen aktuell 54 % der Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten in die Hauptschule, nur 22 % der Kinder aus Haushalten mit hohem Einkommen. Ein starker Zusammenhang zeigt sich auch zwischen der Bildung der Eltern und der Schulwahl. Außerdem besuchen Kinder mit Migrationshintergrund seltener eine weiterführende Schule als Kinder mit österreichischer Staatsbürgerschaft.

„Um die Wechselwirkung zwischen sozialem Status und Bildung zu durchbrechen, braucht es ein integratives Bildungssystem, das auf die Stärken aller Kinder ausgerichtet ist und Maßnahmen, die die Höherqualifizierung aller Jugendlichen ermöglicht“, so Fenninger. Diese Maßnahmen würden zwar Kosten verursachen, sich aber langfristig positiv auswirken. Fenninger: „Ein hohes Bildungsniveau bringt ein niedrigeres Arbeitslosenrisiko mit sich, eine höhere Beschäftigungsstabilität und somit höhere Einkommenschancen, nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für den Sozialstaat, durch den positiven Rückfluss durch Steuern und Abgaben.“

Alle Informationen & Grafiken: www.volkshilfe.at/sozialbarometer

Hier können Sie die Faktensammlung zum Thema Kinder- und Jugendarmut downloaden!

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