Volkshilfe Sozialbarometer zeigt: Klare Mehrheit für Vermögenssteuern

Wachsende Ungleichheit bedroht gesellschaftlichen Zusammenhalt

Wien, 12. Dezember 2016

„Die wachsende Ungleichheit ist gelebte Realität in Österreich und zugleich eine Bedrohung für alle – egal ob arm oder reich. Studien zeigen, dass in ungleichen Gesellschaften die Menschen eine geringere Lebenserwartung haben und an mehr psychischen Erkrankungen leiden. Sie weisen geringere Lese- und Schreibkompetenzen auf und haben niedrigere Bildungsabschlüsse. Die Kriminalitätsraten sind höher, die soziale Mobilität geringer, ebenso wie das gegenseitige Vertrauen. Dies wirkt sich natürlich auf den sozialen Zusammenhalt aus. Und besonders zentral: Nicht arme oder benachteiligte Menschen sind vordergründig betroffen, sondern alle Menschen einer Gesellschaft spüren die ausschließlich negativen Auswirkungen von ungleicher Vermögensverteilung“, sagt Erich Fenninger einleitend bei der heutigen Pressekonferenz der Volkshilfe Österreich, bei welcher der Direktor die repräsentativen Umfrageergebnisse zum Thema Ungleichheit präsentiert.

ÖsterreicherInnen werten steigende Kluft zwischen Arm und Reich als Bedrohung für alle
„Eine große Mehrheit sieht die österreichische Gesellschaft heute als eine „Pyramide“. Viele Menschen unten, nur wenige an der Spitze“, sagt Fenninger. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Studien zeige auch der Volkshilfe Sozialbarometer, dass die Menschen sich dessen bewusst sind, dass die Meisten wenig haben und nur sehr wenige viel besitzen: Fast neun von zehn Befragten (89 %) stimmen der Aussage zu, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Österreich in den letzten Jahren immer weiter auseinander gegangen ist. Zudem sehen 83 % diese wachsende Ungleichheit als Bedrohung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes an, 86 % glauben, dass steigende Armut und Arbeitslosigkeit das Vertrauen in die Demokratie senkt. „Die Menschen wissen also offensichtlich darüber Bescheid, dass Gesellschaften mit einer gleichmäßigeren Verteilung von Vermögen lebenswerter sind und zudem in allen Bereichen – sei es die wirtschaftliche Entwicklung, die Gesundheit, Bildung oder Sicherheit – besser abschneiden“.

Es ist Aufgabe des Staates, die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen
Eine überwiegende Mehrheit von 83 % ist außerdem der Meinung, dass es in der Verantwortung des Staates liegt, die Kluft zwischen Arm und Reich zu reduzieren. „Vermögen, das in Steueroasen liegt, führt zu einem unglaublichen Verlust an Steuereinnahmen, die Österreich dringend brauchen würde – nicht zuletzt zur Absicherung und für den Ausbau von sozialstaatlichen Leistungen. Denn die Sicherung von Lebensqualität wird über den sozialen Wohnbau, Sozialleistungen und eine flächendeckende Gesundheitsversorgung geleistet“. Anhand der Armutsgefährdungszahlen lasse sich klar darstellen, wie wertvoll sozialstaatliche Leistungen sind, so der Direktor: „Vor Pensionen und Sozialleistungen wären heute 44% der Bevölkerung armutsgefährdet – nach Sozialleistungen reduziert sich die Armutsgefährdung auf 14 %. Gleichzeitig gibt es mit der Mindestsicherung – noch – ein Instrument zur Vermeidung von Armut und sozialer Ausgrenzung, das zur materiellen Absicherung nach unten beiträgt“. Sozialstaatliche Transferleistungen sowie Investitionen in soziale und öffentliche Infrastruktur tragen somit dazu bei, Vermögensungleichheit teilweise auszugleichen.

„Nichtsdestotrotz findet staatliche Umverteilung in Österreich vor allem auf der Einkommensebene statt – Vermögen wird nur marginal besteuert. Österreich ist diesbezüglich international unter den Schlusslichtern zu finden“, so Fenninger. Die Sozialbarometer Ergebnisse bestätigen, dass die ÖsterreicherInnen ebenfalls denken, dass Vermögenssteuern eine Maßnahme zur Reduktion von Ungleichheit darstellen: 70 % fordern eine Steuer von einem Prozent auf Vermögen von 500.000 Euro. „Die ÖsterreicherInnen wissen, dass dem Land durch das weitgehende Fehlen von vermögensbezogenen Steuern Einnahmequellen entgehen. Es braucht daher nicht nur eine materielle Absicherung nach unten, sondern auch einen Deckel nach oben“.

Volkshilfe fordert Maßnahmen zur Umverteilung von Vermögen
Die wachsende Ungleichheit stelle eines der dringendsten sozialen und wirtschaftlichen Probleme dar, sagt der Direktor abschließend. Den Tatsachen in die Augen sehen und die Ursachen bekämpfen, fordert die Volkshilfe:

  • Regelmäßige Erhebungen von Daten zur Vermögensverteilung in Österreich sowie jährliche Armutsberichte
  • Keine Kürzungen der Mindestsicherung
  • Schließung von Steueroasen und Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung
  • Einführung einer Vermögenssteuer von einem Prozent für Vermögen über 500.000 Euro
  • Einführung von Erbschafts- und Schenkungssteuern

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Melanie Rami, MA        
Pressesprecherin
0676 83 402 228
melanie.rami@volkshilfe.at

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