Volkshilfe zum Tag der Arbeitslosen: Nicht an hohe Arbeitslosigkeit gewöhnen!

Fenninger: „Arbeitslosenquote darf nicht zum Normalzustand werden!“

27.04.2015

Der 1. Mai, der „Tag der Arbeit“ ist in Österreich traditionell ein Feiertag, der Tag der Arbeitslosen am Vortag ein Bedenktag. Denn auch die im internationalen Vergleich zweitniedrigste Rate an arbeitssuchenden Menschen ist für österreichische Verhältnisse sehr hoch, konkret die zweithöchste in der Zweiten Republik. Was denken die ÖsterreicherInnen, welche Maßnahmen könnten mithelfen, die Arbeitslosenquote in Österreich zu senken?

Der zwölfte Volkshilfe Sozialbarometer hat das Meinungsbild zu vier Maßnahmen zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und zur sozialen Absicherung arbeitsloser Menschen erhoben. Die Ergebnisse zeugen generell von einem breiten Bewusstsein in der Bevölkerung, wie wichtig die Unterstützung der Betroffenen in Zeiten von Arbeitslosigkeit ist. Rund 70% der ÖsterreicherInnen unterstützen die  konkreten Maßnahmen zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit.

Mehr Beratung und Weiterbildung

Mehr als sieben von zehn Befragten (72%) stimmen sehr oder ziemlich zu, dass das Angebot an Beratung und Weiterbildung für Arbeitslose ausgebaut werden sollte.

Maßnahmen für ältere Arbeitslose und Langzeitarbeitslose

Weiters werden Maßnahmen zur Unterstützung besonders betroffener Gruppen von rund 7 von 10 Befragten befürwortet: So sind 73% dafür, dass es für ältere Arbeitslose, die kurz vor der Regelpension stehen, mehrjährige adäquat bezahlte Arbeitsplätze in Beschäftigungsprojekten geben soll. Und 70% sprechen sich dafür aus, dass Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, einen Anspruch auf einen öffentlich geförderten gemeinnützigen Arbeitsplatz haben sollen.

Je konkreter die Angebote, desto besser für die Betroffenen!

Bei steigender Arbeitslosigkeit werden adäquate, dauerhafte und stabile Beschäftigungsmöglichkeiten in einem integrativen Arbeitsmarkt immer wichtiger. „Insbesondere für Personengruppen wie Langzeitarbeitslose,  Menschen mit Migrationshintergrund, Niedrigqualifizierte oder Menschen mit Behinderung ist es oft besonders schwer, langfristige Beschäftigungsverhältnisse im ersten Arbeitsmarkt zu finden. Um genau diese Personengruppen Integration zu ermöglichen, muss öffentlich geförderte Beschäftigung aufgebaut werden“, sagt der Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, Erich Fenninger. “Sozialökonomische Betriebe und Beratungseinrichtungen leisten hier einen wesentlichen Beitrag, nicht nur in der Integration dieser Menschen in Unternehmen, sondern auch in der Überwindung von Barrieren im Kopf.“ unterstützt Wolfgang Sperl, Geschäftsführer von Wien Work, die Forderung.

Darüber hinaus fordert Fenninger Qualifizierungsangebote, die an der Lebensrealität der betroffenen Personen orientiert sind sowie ein existenzsicherndes Einkommen und Absicherung bei Arbeitslosigkeit: „Ein Mindestlohn von 1.500 Euro bei Vollzeitbeschäftigung ist ein wichtiges Ziel zur Bekämpfung von Armut und prekärer Beschäftigung, auch diese Forderung erhält breite Zustimmung in der Bevölkerung.  Außerdem muss die Nettoersatzrate bei Arbeitslosigkeit angehoben werden. Die Existenz der Menschen muss auch in prekären und schwierigen Situationen gesichert sein“

Erwerbsarbeit schützt vor Armut und ermöglicht Teilhabe

„Arbeit hat nicht nur einen Einkommensaspekt. Sie stiftet Sinn und Identität. Wer seine Arbeit verliert, dem droht die gesellschaftliche Isolation. Der Jobverlust belastet die Psyche und wird zur Gefahr für die Gesundheit“, ist der Bundesgeschäftsführer überzeugt. Jeder Mensch habe ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben, das wiederum setze Arbeit voraus, von der man auch leben können muss.

Österreich ist keine Insel, natürlich hinterlässt die langanhaltende Wirtschaftskrise auch in Österreich Spuren. „Österreich hat eine lange Tradition in aktiver Arbeitsmarktpolitik und ist mit der niedrigen Jugendarbeitslosigkeit international zu einem Best-practice Beispiel geworden. Finanzielle Mitteln für innovative Projekte würde ich mir auch für ältere arbeitssuchende Menschen und für Langzeitarbeitslose wünschen“, so Fenninger.

Abschließend ruft Fenninger dazu auf, den Zustand nicht länger hinzunehmen: „Arbeitslosigkeit betrifft derzeit fast eine halbe Million Menschen in Österreich.  Diese Situation bedarf umfassender Maßnahmen auch in anderen Politikfeldern“, sagt Fenninger und fordert erneut, der  Ungleichverteilung entgegenzuwirken: „Es braucht vermögensbezogene Steuern, um wichtige soziale Aufgaben zu finanzieren. Reiche müssen endlich einen Beitrag leisten, um den Wohlfahrtsstaat auf eine solide Basis zu stellen“, fordert der Bundesgeschäftsführer abschließend.

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Pressesprecherin
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