Volkshilfe zum Welt-Alzheimertag: ÖsterreicherInnen fordern Anerkennung von Demenz als Behinderung

Fenninger: Inklusion demenziell erkrankter Menschen ist gesellschaftliche Pflicht

Wien, 19. September 2016

„Auch wenn die Möglichkeit zur Selbstbestimmung im Verlauf der Demenzerkrankung abnimmt, bleibt das Selbst des betroffenen Menschen erhalten. Es ist unsere solidarische Pflicht, den Betroffenen unsere aufmerksamste und einfühlsamste Sorge zu widmen und sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen“, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich in seiner emotionalen Einleitung im Rahmen der heutigen Pressekonferenz der Volkshilfe Österreich.

Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September präsentierte der Direktor aktuelle Ergebnisse des Volkshilfe Sozialbarometers zum Thema. „Während immer mehr Menschen an Demenz erkranken, nimmt die Zahl an Menschen im erwerbsfähigen Alter ab. Demenz und Pflege stellen eine große soziale Herausforderung auf vielen Ebenen dar“. In Anbetracht dessen sowie der repräsentativen Umfrageergebnisse weist Fenninger besonders auf die Wichtigkeit der Teilhabe für Betroffene hin: „Einsamkeit und Isolation erhöhen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Genau deshalb muss die Inklusion von Betroffenen viel deutlicher angestoßen werden. Voraussetzung dafür ist der Ausbau von Informationsarbeit“.

Mehrheit fühlt sich über Demenz nicht ausreichend informiert
Die repräsentativen Ergebnisse des Volkshilfe Sozialbarometers zeigen, dass sich 63 Prozent der Befragten nicht ausreichend über die Krankheit informiert fühlen, um darauf im öffentlichen Raum bei Bedarf unterstützend reagieren zu können. Fenninger: „Diesem Umstand muss entgegengewirkt werden, meinen auch die ÖsterreicherInnen: Schließlich befürworten auch drei Viertel der Befragten die Forderung nach mehr Informationsarbeit in Vereinen, um die Einbindung von Menschen mit Demenz in das gesellschaftliche Leben zu fördern“. Außerdem sprechen sich 82 Prozent für eine flächendeckende Einführung von Diagnoseinstrumenten für den Gesundheits- und Sozialbereich zur Früherkennung von Demenz aus.

Die höchste Zustimmung mit 84 Prozent erhielt nicht zuletzt die Forderung nach einem Ausbau von Angeboten der Beratung und Wissensvermittlung für pflegende Angehörige sowie für von Demenz Betroffene. Fenninger: „Auch die Erfahrungen aus der Praxis und aus Studien bestätigen dies: Je mehr Aufklärung und Information über die Krankheit und dem damit einhergehenden Krankheitsbild bei den pflegenden Angehörigen vorhanden ist, desto besser können sie mit der Situation umgehen“.

Vollständige Anerkennung von Demenz als Behinderung überfällig
Mehr als sieben von zehn Befragten sprechen sich im Sozialbarometer außerdem für die Anerkennung von Demenz als Behinderung aus. „Von Demenz Betroffene sollen die gleichen Rechte wie andere Menschen mit Behinderungen haben, um rechtliche Rahmenbedingungen zum Schutz vor Diskriminierung zu schaffen“, sagt Fenninger. „In Deutschland gibt es für Betroffene ab einem gewissen Schweregrad die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten. Auch gemäß UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen sollen Demenzerkrankte ‚vollen Zugang zur physischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umwelt, zu Gesundheit und Bildung sowie zu Information und Kommunikation haben, damit sie alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll genießen können‘.

Konkret fordert der Direktor den Anspruch auf einen Behindertenausweis ab einem bestimmten Schweregrad der Demenz, finanzielle Vergünstigungen und Befreiungen, das Recht, eine berufliche Tätigkeit ausüben zu können, wenn die Krankheit früh ausbricht sowie das Recht auf persönliche Assistenz ohne Entzug der Handlungsfähigkeit. Außerdem müsse die Möglichkeit der Vertretung von Menschen mit Demenz durch Behindertenanwaltschaft geschaffen werden.

„Wir von der Volkshilfe setzen uns schon seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Demenz auseinander, entwickeln laufend neue Projekte und sehen uns als Anwältin der Betroffenen. Mit der im letzten Jahr präsentierten Demenzstrategie sind erste Schritte in die richtige Richtung im Umgang mit Demenz getan. Nichtsdestotrotz werden wir weiterhin als Sprachrohr für die Betroffenen fungieren, um ihre Lebenswelten nachhaltig zu verbessern“.

Alle Informationen zum Volkshilfe Sozialbarometer: www.volkshilfe.at/sozialbarometer

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Pressesprecherin
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