Welt-Alzheimertag: Volkshilfe und Alzheimer Austria schlagen Alarm

Sozialbarometer zeigt: Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz nicht ausreichend oder unbekannt, Firmen nehmen auf die Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen zu wenig Rücksicht

Wien, 15.09.2014

Im Zuge einer repräsentativen Umfrage erhob der „Volkshilfe Sozialbarometer“ die Einstellung der ÖsterreicherInnen zum Thema Demenz und Pflege. Anlässlich des Welt-Alzheimertags präsentieren Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Erich Fenninger und die Präsidentin von Alzheimer Austria Antonia Croy nun die teils erschreckenden Ergebnisse der gemeinsam mit SORA erstellten Umfrage.


Umfrage bestätigt ExpertInnenmeinung

  • Nur ein knappes Drittel der ÖsterreicherInnen gab an, Angebote für an Demenz Erkrankte überhaupt zu kennen. Aber auch in der Gruppe der mit der Erkrankung vertrauten Personen kennen 40% diese Einrichtungen nicht.
  • Die Hälfte der ÖsterreicherInnen glaubt, dass Unterstützungsangebote für demenzerkrankte Menschen, wie beispielsweise Tageszentren, nicht ausreichend vorhanden und nicht leistbar sind. Unter den Menschen, die direkt mit Betroffenen zu tun haben, ist die Einschätzung mit 58% noch weiter verbreitet.
  • Nur 15% der Befragten glauben, dass in den österreichischen Betrieben genügend auf die Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen eingegangen wird. Die Mehrheit von 53% glaubt nicht, dass sich Österreichs Betriebe auf die Herausforderung, vor der pflegende Angehörige stehen, eingestellt haben.
  • Eine deutliche Mehrheit der ArbeitnehmerInnen würde im Bedarfsfall die Pflegekarenz in Anspruch nehmen.

„Durch die oft auftretenden Verhaltensauffälligkeiten der Erkrankten glauben auch viele Angehörige, dass sie das niemandem anderen zumuten können. Das führt oft in sehr kurzer Zeit zu Depressionen und Burn-out-Symptomen bei den betreuenden Menschen“, sagt Fenninger. Auch Croy bestätigt diese Erfahrung: „Angehörige stehen immer mehr unter Druck. Insbesondere Frauen leiden unter der Doppelbelastung.“

Dringender Handlungsbedarf

Österreich hat einen dringenden Handlungsbedarf“, sind sich Fenninger und Croy einig. Für die Entlastung der pflegenden Angehörigen ist ein kostenloses Coachingangebot nötig, damit sie mit den Belastungen besser umgehen können. Aber es braucht auch dringend den  Ausbau von leistbaren Betreuungs- und Pflegeangeboten.

„Hier sind die Länder gefordert, mit den vom Bund zur Verfügung gestellten Mitteln den überfälligen und flächendeckenden Ausbau zu starten“, fordert Fenninger und spricht sich vor allem für mehr Geld für innovative Pflege- und Betreuungsformen für Demenzkranke aus. Staatliche Anreiz können helfen, damit Unternehmen mehr Freiheiten für Pflegende schaffen. Aber hier ist auch auf betrieblicher Ebene noch Bewusstseinsarbeit nötig.

„Wir dürfen die pflegenden Angehörigen nicht weiter alleine lassen“, fordern Croy und Fenninger. „Ein Altern in Würde darf in Österreich nicht von der Größe der Brieftasche abhängig sein.“


Volkshilfe: Demenzhilfe Österreich

Um Demenzerkrankte und Angehörige zu unterstützen, hat die Volkshilfe 2012 die „Demenzhilfe Österreich“ ins Leben gerufen. Der Online-Demenzratgeber www.demenz-hilfe.at klärt über Krankheitsverlauf sowie Symptome auf und bietet Angehörigen Hilfestellungen für den Pflegealltag. Ein eigens eingerichteter Hilfsfonds unterstützt benachteiligte Familien finanziell. Im neuen Buch „Ich bin, wer ich war. Mit Demenz leben“ porträtiert Bundesgeschäftsführer Erich Fenninger für die Volkshilfe Menschen mit Demenz und deren Angehörige.

Alzheimer Austria

Die Selbsthilfegruppe Alzheimer Austria wurde 1990 in Wien gegründet und sieht ihre Hauptaufgabe in  der Beratung und Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen. Im Mittelpunkt steht das Angebot von Gedanken- und Erfahrungsaustausch, sowie Aktivitäten, die die Versorgungssituation der betroffenen Familien mit ihren vielfältigen Problemen erleichtern und verbessern. Weiters vertritt die Gruppe die Anliegen und  Interessen der Betroffenen in der Öffentlichkeit. Mehr Infos: www.alzheimer-selbsthilfe.at

Im Bild: Pressegespräch mit Antonia Croy und Erich Fenninger

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Pressesprecherin
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