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Über Armut diskutieren!

Symposium Kinderarmut

Der 17. Oktober ist der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut. Fester Bestandteil der Aktivitäten rund um diesen Tag ist die jährliche Tagung zu Kinderarmut, um das Thema stärker in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern und die Fachdiskussion weiterzuentwickeln. Diesjähriger Fokus: KINDER BRAUCHEN MEHR.

Kinderarmut im Fokus der Volkshilfe

2013 war das Thema der Tagung Kinderarmut als multidimensionales Phänomen, 2014 wurde das Leuchtturmprojekt „Kinderzukunft“ in Wiener Neustadt vorgestellt, 2015 Ansätze zur Stärkung von Kindern diskutiert, und 2016 der Frage nach Möglichkeiten zur Inklusion von armutsbetroffenen Kindern nachgegangen. 2017 ist der Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Bildung im Vordergrund gestanden, 2018 liegt der Schwerpunkt des Symposiums auf dem Aspekt der sozialen Sicherheit.

SYMPOSIUM 2018: KINDER BRAUCHEN MEHR - SOZIALE SICHERHEIT NEU DENKEN"

Dokumentation Volkshilfe-Symposium, 16.10.2018

Begrüßungen

  • Begrüßung Sibylle Hamann

    Kinder brauchen mehr – Kinder brauchen soziale Sicherheit, haben sie aber nicht immer in Österreich. Denn 324.000 sind von Armut betroffen. Was macht das mit ihnen, was macht das mit der Gesellschaft – diesen Fragen werden wir uns heute beschäftigen.
  • Begrüßung Günther Sidl, Direktor der Wiener Urania

    Die Wiener Volkshochschulen setzen sich in verschiedensten Bereichen für Chancengleichheit ein. Das gilt für Kinder und Jugendliche, aber auch für Menschen, die zu uns kommen. Wir stehen auch für Integration ab Tag 1. Wir sind weit über das Kursangebot tätig und in verschiedensten Bündnissen aktiv und tätig – so auch mit der Volkshilfe. Fragen wie „Wie steht es um die Zukunft der Demokratie?“ versuchen wir zu diskutieren und zu beantworten – und es würde mich sehr freuen, wenn ich Sie dazu an diesem Ort des Dialoges, Ort des Weiterdenkens auch in Zukunft begrüßen dürfte. Vielen Dank an die Volkshilfe für die wunderbare Zusammenarbeit.
  • Einleitende Worte Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich

    Danke für Ihr Kommen und Ihr Interesse an der Veranstaltung. Die Genese der Volkshilfe liegt im Kampf gegen Armut, den wir seit der Gründung führen. Uns ist es wichtig, dass Andersdenkende nicht ausgeschlossen und ausgegrenzt werden, sowie Kinder und Jugendliche nicht ausgeschlossen werden dürfen. Wenn sie aber im Mangel aufwachsen, können sie ihre Potenziale nicht entwickeln. Hilfe allein kann aber den bestehenden Mangel nicht beseitigen – sondern wir müssen über Hilfe hinausdenken, neue Konzepte diskutieren und Ideen entwickeln. Dafür sind wir heute hier. Im zweiten Teil möchten wir Ihnen unser Konzept zur Kindergrundsicherung präsentieren, mit welchem wir Kinderarmut abschaffen wollen.

Vorträge

Details zu den jeweiligen Vorträgen finden sich in den Präsentationen.

  • Mag.a Dr.in Ingrid Kromer (Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems): Was alle Kinder brauchen

    Präsentation der Ergebnisse einer Studie, welche die Universität Wien im Auftrag der Bundesjugendvertretung durchgeführt hat. Kinder haben zahlreiche Bedürfnisse, deren Befriedigung Geld erfordert: Wohnen, Bildung, Freizeitaktivitäten, Gesundheitsvorsorge und vieles mehr. Was brauchen Kinder? Was meinen die Kinder selbst?
  • Dr. Gottfried Schweiger (Universität Salzburg): Ist es unfair, arm zu sein? Kinder und soziale Gerechtigkeit

    Der Vortragende geht in einer philosophischen Betrachtungsweise der Frage nach, inwiefern Kinderarmut als Ungerechtigkeit klassifiziert werden kann: Wovon reden wir, wenn wir Kinderarmut meinen? Welche Zugänge zur Gerechtigkeit gibt es?
  • Mag. Dr. Marcel Fink (Institut für höhere Studien): Bekämpfung von Kinderarmut im österreichischen Sozialstaat - Ansätze und Herausforderungen

    Gerade Kinder weisen vor sozialstaatlichen Transferleistungen eine hohe Armutsgefährdung auf. Wie wird von sozialstaatlicher Seite versucht, dem entgegenzuwirken? Inwiefern sind Armut und soziale Teilhabe von Kindern ein eigenständiges politisches Thema?
  • Dr.in Irene Becker (Empirische Verteilungsforschung): Kindergrundsicherung – ein Reformkonzept (nicht nur) zur Bekämpfung von Kinderarmut

    Die Vortragende skizziert Diskussionen und Hintergründe rund um die Forderung nach der Kindergrundsicherung als finanzielle Unterstützungsleistung in Deutschland. Wie konkret könnte ein Modell aussehen? Was würde eine Kindergrundsicherung bewirken?
  • Dir. Mag. (FH) Erich Fenninger, DSA, Mag.a (FH)Judith Ranftler, MA, Mag.a Dr.in Manuela Wade, MA (Volkshilfe Österreich)

    Die Volkshilfe hat für Österreich ein Modell für eine Kindergrundsicherung entwickelt. Ausgehend von Dimensionen von Kinderarmut werden Eckpunkte des entwickelten Modells präsentiert.

Diskussionen und Fragen zur Kindergrundsicherung

  • Statement Daniel Landau: Lädt dazu ein, Allianzen zu bilden und Mehrheiten zu suchen, um das Modell der Volkshilfe zu unterstützen.
  • 20 Kinder sollen in einem Pilotprojekt die Kindergrundsicherung erhalten: Wie sieht die Verteilung zwischen Stadt und Land aus? - 20 Kinder sollen verteilt werden lt. Grundgesamtheit, es soll in jedem Bundesland mind. ein Kind unterstützt werden
  • 2 Milliarden Kosten für die Kindergrundsicherung: Stellt diese Summe zusätzliche Kosten dar oder werden derzeitige Leistungen ersetzt? - Momentan werden rund 9,7 Milliarden an Familienleistungen in Österreich ausgegeben. Pauschale Leistungen sowie steuerliche Absetzbeträge sollen in der Kindergrundsicherung aufgehen. Dadurch können teilweise Kosten eingespart werden. Die Summe der 2 Milliarden Euro sind zusätzlich zu bereits einberechneten Einsparungen an familienpolitischen Leistungen zu sehen, als entstehende Mehrkosten. Allerdings sind etwa Kinderzuschläge der Mindestsicherung noch nicht abgezogen, ebenso wenig wie etwaige Mehreinnahmen durch erhöhte Konsumausgaben oder wegfallende Kosten der Vererbung von Armut.
  • Stellt die Kindergrundsicherung einen zusätzlichen Anreiz dar, Kinder zu bekommen? - Argument, dass es einen Anreiz darstellt, Kinder zu bekommen ist falsch. Außerdem wissen wir von einer SORA Umfrage, dass Eltern in ihre Kinder investieren, und zuerst bei sich selbst sparen. Jedes Kind ist gleich viel wert. Dass die Armutsgefährdung gerade bei Mehrkindfamilien überdurchschnittlich hoch ist, gilt es zu bekämpfen.
  • Inwiefern besteht die Gefahr einer fehlenden Orientierung auf den Arbeitsmarkt aufgrund einer möglichen Einführung der Kindergrundsicherung? - Jetzt ist die Barriere, sich in Richtung Arbeitsmarkt zu orientieren, groß, aufgrund fehlender Kinderbetreuungsplätze, aber auch aufgrund der Armutslage selbst. In Armut zu leben bedeutet Stress und Druck. Eine Bewerbungssituation verschärft das und wird daher oft nicht avisiert. Mit der Kindergrundsicherung wird der Druck weniger, denn die finanzielle Absicherung der Kinder ist garantiert.
  • Wie stellt man sicher, dass das Geld für das Kind verwendet wird? - Die Kindergrundsicherung ist speziell für die Finanzierung kindsbezogener Leistungen vorgesehen. Dies kann im Anlassfall auch überprüft werden. Sollte in Einzelfällen eine kindsbezogene Verwendung der Leistung vonseiten der Erziehungsberechtigten – beispielsweise aufgrund einer Suchterkrankung – nicht gewährleistet sein, greift die Sozialarbeit nicht zuletzt durch Beratungstätigkeiten unterstützend ein.
  • Kann es sein, dass die sozialarbeiterische Begleitung in Bezug auf die Effekte für die Familien wichtiger ist, als die monetäre Leistung? - Das Ausmaß der Interventionen wird bewusst geringgehalten und bezieht sich vorwiegend auf die Erhebung der Sichtweise der Kinder und deren Eltern. Armutsbekämpfung heißt auch, Geld zur Verfügung zu stellen, wenn Menschen Geld und Arbeit beraubt werden.
  • Sollten die Leistungen an die Jugendlichen bzw. die Kinder direkt ausbezahlt werden anstatt an die Eltern? - Bei Auszahlung an die Eltern wurde davon ausgegangen, dass Eltern für die finanzielle Situation zuständig sind. Auch momentane Leistungen wie die Familienbeihilfe werden an Eltern ausbezahlt. An Kinder direkt auszuzahlen würde eine Überforderung für sie darstellen. Verantwortung für so eine hohe Summe an Geld wollen wir bei den Eltern belassen.
  • Was nach der Vollendung es 18. Lebensjahres? - Das momentane Modell sieht vor, an Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahr die Kindergrundsicherung auszuzahlen. Darüber hinaus soll ein anschließendes Modell für weitere Bildung finanziert werden, denn gerade armutsgefährdete Kinder und Jugendliche brauchen oft längerfristige Unterstützung, um sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Wir wissen jedoch auch: Die Selektion im Bildungsbereich beginnt nicht bei der Universität, sondern setzt schon viel früher ein. Geringere Bildungschancen sind Symptome von Armut.
  • Der geplante Familienbonus ist nicht in bestehende Familienleistungen eingerechnet – eine Finanzierung wäre ja dadurch schon gegeben. – Laut Berechnungen würde der Familienbonus rund 1,5 Milliarden Euro an Mehrkosten verursachen.
  • Die 20 ausgewählten Kinder im Rahmen des Pilotprojektes werden von der Volkshilfe bezahlt? – Ja.
  • Manchmal reicht monetäre Unterstützung nicht aus. Es bedarf vor allem einer massiven Erhöhung der Kinderbetreuungseinrichtungen oder der Nachmittagsbetreuung. Wird hier der Staat nicht zum Teil aus der Verantwortung genommen bei Leistungen wie Kinderbetreuung? - Es ist beides notwendig, es gibt keinen Zielkonflikt zwischen Geld- und Sachleistungen. Auch wenn Erstere gekürzt werden, ist nicht sichergestellt, dass Zweitere ausgebaut werden. Eine Erhöhung der Geldleistungen darf nicht zu einem Rückbau der Sachleistungen (öffentlicher Infrastruktur) führen. Deshalb ist die Forderung nach der Kindergrundsicherung als finanzielle Leistung grundsätzlich in ein Maßnahmenpaket eingebunden, das dem Ausbau von Sachleistungen bzw. sozialer Infrastruktur (z.B. Rechtsanspruch auf kostenfreie Betreuungsplätze ab dem ersten Geburtstag, Ausbau von niedrigschwelligen Beratungsangeboten und offener Jugendarbeit, kostenfreie medizinische Behelfe) einen zentralen Stellenwert verleiht.

 

Eckdaten zum Symposium

Wann? 16. Oktober 2018, ab 13:30 Uhr

Wo? Urania Wien, Urania Straße 1, 1010 Wien

Anmeldungen bis 30. September per E-Mail an veranstaltungen@volkshilfe.at oder per Telefon unter +43 1 402 62 09. Die Teilnahme ist kostenlos!

Kontakt

Mag.a Dr.in Manuela Wade, MA
Expertin Armut
Tel.: +43 676 83 40 22 29
manuela.wade@volkshilfe.at

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