Bundesländer
Aktionen

Corona und Demenz: Gemeinsam durch die Krise.

Viele an Demenz erkrankte Menschen leben zu Hause. Die Unterstützung, die sie sonst durch Pflegehilfe, Demenztrainings oder Tageszentrumsbesuche bekommen, fallen seit der Corona-Krise weg. Menschen, die in Pflege- oder Seniorenheimen leben, dürfen nicht mehr besucht werden. Eine Ausnahmesituation, die für Angehörige und Betroffene schwierig ist. Wie kann man mit so einer Krise umgehen? Wir haben Antworten gesucht.

Für an Demenz erkrankte Menschen ist die aktuelle Situation besonders schwierig, weil…

  • sie den gewohnten Tagesablauf stört und Struktur besonders wichtig ist.
  • wichtige soziale Kontakte zu Bezugspersonen im Moment nicht stattfinden können, etwa wegen der Besuchsbeschränkungen in Pflegeheimen.
  • die allgemeine Stimmung und Verunsicherung für sie spürbar ist, auch wenn sie die Gefahr oft nicht mehr bewusst erfassen können.
  • Trainingsgruppen und Bewegungsangebote ausfallen, die für die geistige und körperliche Fitness wesentlich sind.

Für pflegende Angehörige ist die Situation schwierig, weil…

  • die gewohnten Entlastungsangebote, wie etwa der Besuch des an Demenz erkrankte Menschen im Tageszentrum nicht möglich ist.
  • Hilfe durch andere Angehörige zur Vermeidung einer Ansteckung eingestellt wurde.
  • Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf - für all jene, die jetzt weiterhin in die Arbeit gehen müssen - fehlen.
  • es viel Unsicherheit gibt, welche Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen bei der Pflege daheim sinnvoll und auch umsetzbar sind.

Was kann man tun im Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen:

  1. Erklären Sie die Situation in einfachen Worten und versichern Sie Ihren Angehörigen, dass alles getan wird, um Sie schützen. Versuchen Sie positive Gefühle zu verstärken - negative Emotionen werden dadurch in den Hintergrund gedrängt.
  2. Achten Sie besonders auf die Hygienemaßnahmen, vor allem, wenn Sie vom Einkaufen oder Spaziergängen kommen. Reduzieren Sie Kontakt zu Dritten soweit als möglich.
  3. Beschäftigungen helfen den Tag zu strukturieren, einfache Musikinstrumente (Rasseln, Schellen, etc.) und Lieder aus der Jugend der Betroffenen können Freude in den Alltag bringen. Entsprechende Playlists finden Sie auf allen Streaming-Diensten, z.B. auf YouTube. Andere Glücksmomente können Sie herstellen, indem sie Nachbarn, Freunde und Familie bitten, Briefe, Postkarten oder wenn möglich kurze Videos zu schicken.
  4. Für an Demenz erkrankte Menschen ist Bewegung besonders wichtig, um diese im Alltag zu fördern, finden Sie unter diesem Link einige Videos zur Inspiration.
  5. Setzen Sie Übungen, die Ihnen aus den Trainingsgruppen bekannt sind, weiter fort. Ein einfaches Memory lässt sich mit einem Drucker oder Stift und Papier selber gestalten.

Telefongruppen und Zoomgruppen für Betroffene

Die Selbsthilfegruppe PROMENZ unterstützt den Austausch von Menschen mit Vergesslichkeit. PROMENZ baut derzeit gerade Zoom-Gruppen auf, damit sich die Nutzer*innen der Selbsthilfegruppen auch sehen können und nicht nur miteinander sprechen, wie am Telefon. Zoom ist ein Online-Video-Portal, das virtuelle Treffen mit einer Gruppe von Menschen einfach und kostenlos ermöglicht. Einzige Voraussetzung: Man braucht einen Computer und Internetzugang. Mehr Info dazu hier.

30. März 2020

5 wichtige Telefonnummern:

  1. Haben Sie oder Ihre Angehörigen Fieber, Husten oder andere für Covid-19 typische Symptome oder hatten Sie Kontakt zu jemandem der positiv getestet worden ist oder sich in Risikogebieten aufgehalten hat (Italien, Tirol, China) wählen Sie bitte 1450
  2. Wenn Sie Fragen zu Covid-19 im Allgemeinen haben, können Sie sich rund um die Uhr an diese Info-Hotline der AGES wenden: 0800 555 621
  3. Wenn es bei der 24-Stunden-Betreuung oder der Angehörigen-Betreuung Ausfälle oder Probleme infolge der Corona-Schutzmaßnahmen gibt, wenden Sie sich bitte an die Pflegehotlines in Ihrem Bundesland. 
  4. Wenn Sie arbeitsrechtliche Fragen haben, auch zur Pflegekarenz, wenden Sie sich bitte an die Arbeiterkammer (Mo-Fr, 9 bis 19 Uhr): 0800 22 12 00 80
  5. Rasche psychologische Hilfe gibt es kostenlos & anonym beim Berufsverband Österreichischer PsychologInnen unter 01 504 8000 (Mo-Fr, 9 bis 16 Uhr)

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON

alt text alt text