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Erhöhung des Arbeitslosengeldes ein Gebot der Stunde!

Ende April sind 571.477 Personen in Arbeitslosigkeit oder in Schulung. Das sind um 58,2 Prozent Personen mehr als im Vorjahr. „ Wir jetzt müssen an die Sorgen und Nöte dieser hunderttausenden Menschen denken. Sie haben Familien, Kinder und wissen nicht, wie es weitergeht. Denn speziell im Tourismus ist noch kein Licht am Ende des Tunnels. GeringverdienerInnen können von 55% ihres Gehalts nicht leben, so hoch ist nämlich das Arbeitslosengeld. Daher fordern wir erneut dringend eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf mindestens 70% des Letztgehalts. Denn diese Nettoersatzrate ist in Österreich beschämend niedrig“, kommentiert Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, die heute erschienenen Arbeitslosenzahlen für April besorgt.

Hinter die Zahlen blicken

Hinter den Zahlen stehen Menschen, denen nun 55 Prozent des monatlichen Einkommens fehlen. Denkt man daran, dass viele von ihnen Familien haben, erhöht sich die Zahl der Menschen, die nun in Unsicherheit leben noch einmal. „Aus unserer tagtäglichen Arbeit mit den Menschen vor Ort wissen wir, dass die Gesundheitskrise jetzt für einige zur Überlebenskrise wird. Wir müssen hinter die Zahlen blicken, dann sehen wir, wie die Corona-Krise auf die Lebenslagen der Menschen wirkt. Zum Beispiel unterstützen wir in unserem Kindergrundsicherungsprojekt eine Familie mit drei Kindern. Die Mutter ist Alleinerzieherin und kämpfte sich schon vor der Krise mit einem Job in der Gastronomie durch. Durch die Krise ist sie arbeitslos geworden – für die Familie, die vorher schon jeden Cent zweimal umgedreht hat, ist das eine Katastrophe“, erzählt Erich Fenninger aus der Arbeit der Volkshilfe Österreich.

Reiche tragen derzeit weniger zum Gemeinwohl bei

Schon in der Frühphase der Corona-Krise wies die Wissenschaft darauf hin, dass erste Einkommenseinbußen im Kontext der Corona-Krise ungleich verteilt sind. Haushalte, die bereits zuvor geringe Einkommen hatten, sind deutlich mehr betroffen. Gleichzeitig wissen wir, dass die Beiträge von Vermögenden zum Steueraufkommen in Österreich unter dem OECD-Schnitt liegen, und zwar an drittletzter Stelle. Neben einer einmaligen Solidaritätsabgabe, die Soforthilfe leisten kann, darf man auch die Besteuerung von Vermögen nicht auf später vertagen. Eine Schätzung des Aufkommenspotentials unterschiedlicher Vermögenssteuermodelle zeigt, dass diese bis zu 8,3 Milliarden Euro jährlich einbringen könnte.

„Wenn sich an unserem Steuersystem nichts ändert, werden die mittleren und niedrigen Einkommen für die Krise bezahlen.“ Da derzeit 80 Prozent aus Steuern auf Arbeitseinkommen und Konsum kommen, werden die ArbeitnehmerInnen auch den Löwenanteil der Kosten der Krise schultern.

Taskforce soziale Absicherung

Für viele Menschen in unserem Land ist die Gesundheitskrise längst zur Überlebenskrise geworden. Daher fordert Fenninger erneut „eine Taskforce soziale Absicherung“, um die Bedürfnisse der Menschen im Blick zu haben und alle Maßnahmen zu koordinieren, die jenen umfassend und gezielt helfen, die hinter den Arbeitslosen-Rekordzahlen stehen.

4. Mai 2020

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON

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