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Was es für Zukunft von Pflege & Betreuung braucht

Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt präsentiert Positionspapier und fordert langfristige Lösungsansätze für die Herausforderungen der Zukunft.

Um den Herausforderungen der Zukunft der Pflege & Betreuung gerecht werden zu können brauche es klare strategische Linien, konkrete Prioritäten und verbindliche Aussagen, sagt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich einleitend bei der heutigen Pressekonferenz der BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt).

Dringende Handlungsfelder

„Gerade in Zeiten der Anbahnung einer neuen Bundesregierung ist es uns ein Anliegen, die steigende Anzahl von Menschen mit Demenz, Veränderungen bei der Erwerbstätigkeit pflegender Angehöriger sowie Veränderungen in der Mobilität von Menschen zu thematisieren.“ Die VertreterInnen von Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Österreichischem Roten Kreuz und Volkshilfe treten mit zahlreichen Vorschlägen an die politisch Verantwortlichen heran. Im Rahmen der Pressekonferenz thematisieren sie die besonders dringenden Handlungsfelder der zahlreichen im neuen Positionspapier (PDF Download) beinhalteten Forderungen:

Bedürfnisse ins Zentrum rücken

Daniela Palk, Expertin Seniorenarbeit Diakoniewerk, appelliert daran, die Bedürfnisse der Einzelnen nicht zu vergessen. „Unsere Gesellschaft ist individueller und heterogener, bunter und vielfältiger geworden. Diese Entwicklung trifft selbstverständlich auch auf Menschen im Alter zu. Dienstleistungen für hilfe- und pflegebedürftige Menschen sollten zeitgerecht und flexibel auf die sich verändernden Bedürfnisse des Einzelnen eingehen und dabei seine persönliche Integrität achten mit dem Ziel, die Lebensqualität zu steigern und Chancengleichheit beim Zugang zur Pflege garantieren. Für diese Herausforderungen braucht es dringend neue passende Antworten – zum Beispiel beim Thema Wohnen. Es ist höchste Zeit, neue Wohnformen zu entwickeln und Innovation gezielt zu fördern“, so Palk.

Pflegefonds weiterentwickeln

Aus Sicht der von Betreuungs- und Pflegebedarf betroffenen Menschen gelte es, gleiche Bedingungen zu schaffen, sagt Judit Marte-Huainigg, Sozial- und Pflegeexpertin der Caritas Österreich: „Vergleichbare Leistungen in vergleichbarer Verfügbarkeit zu vergleichbaren Kosten in allen Bundesländern und Transparenz des zu erwartenden Leistungsspektrums und der Kosten für die betroffenen Menschen müssen garantiert werden.“ Aus Sicht der BAG habe sich der Pflegefonds sehr bewährt und sollte in Zukunft stärker forciert und weiterentwickelt werden: „Dazu ist es erforderlich, den Pflegefonds zu einem unbefristeten Instrument zu machen, damit eine dauerhafte Finanzierungssicherheit entstehen kann.“

Pflege zu Hause stärken

Nicht zuletzt gilt es zu berücksichtigen, dass das derzeitige Pflege- und Betreuungssystem in Österreich ohne das Engagement pflegender Angehöriger weder finanzier- noch organisierbar ist. Monika Wild, Leiterin des Bereichs Einsatz und Gesundheit des Österreichischen Roten Kreuzes: „Mobile Dienste leisten maßgebliche Unterstützung für pflegende Angehörige. Nicht nur weil es dem Wunsch vieler pflegebedürftiger Menschen entspricht, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben, sondern auch, weil es volkswirtschaftlich Sinn macht, muss in mobile Dienste investiert werden. Es braucht leistbare Kostensätze und die Aufnahme von Beratung und Begleitung pflegender Angehöriger in den Leistungskatalog der öffentlich geförderten mobilen Pflege und Betreuung.“

Verbindliche Qualität sichern

Knapp fünf Prozent aller PflegegeldbezieherInnen nutzen 24-Stunden-Betreuung, etwa 62.000 PersonenbetreuerInnen bieten mit aktivem Gewerbeschein hierzulande ihre Dienste an. Für eine künftig tragfähige Gestaltung dieses Angebotes bedarf es einer neuerlichen politischen Anstrengung, um das Modell im Sinne einer alternden Gesellschaft weiterzuentwickeln und qualitativ wie ökonomisch abzusichern, so Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin Hilfswerk Österreich: „Wir fordern ein klares Bekenntnis zu einer fachlich hinterlegten Qualitätssicherung sowie die Anpassung der Förderung, die – ohnehin schon gering – in den letzten zehn Jahren nicht valorisiert wurde und maßgeblich an Kaufkraft eingebüßt hat.“

Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Nicht zuletzt weist Erich Fenninger besonders auf das resultierende Handlungsfeld des pflegenden und betreuenden Personals hin. Er meint, um die beschriebenen Punkte umsetzen zu können, müsse beim Personal und den Arbeitsbedingungen angesetzt werden: „Es braucht dringend eine seriöse und konsolidierte Studie zur Erhebung des Bedarfs von Pflege- und Betreuungspersonal sowie eine daran anschließende gezielte Ausbildungsoffensive. Vor allem, weil wir der prognostizierten Reduktion der informellen Pflege sowie einer Pensionierungswelle von Pflegepersonen in den nächsten fünf bis sieben Jahren entgegensehen.“ Zudem sei das Image des Langzeitpflegebereichs zunehmend in Gefahr und einhergehend die Attraktivität der Pflegeberufe. Fenninger: „Dieser Entwicklung müssen wir mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und fairer Entlohnung entgegenwirken.“

Handlungsdruck ist enorm

Die VertreterInnen der großen sozialen Organisationen sind sich einig: Der Handlungsdruck ist enorm. Die im gemeinsamen Positionspapier umfassend beleuchteten Handlungsfelder würden aufzeigen, dass es einen grundlegenden Reformbedarf im System gäbe, so Fenninger abschließend. „Als Konsequenz fordern wir, in größerer Runde zusammenzukommen, um über die Zukunft dieses Systems zu beraten und Maßnahmen umzusetzen. Es bedarf eines entschlossenen Auftretens aller Stakeholder wie PflegeexpertInnen, ExpertInnen für Finanzierungsmöglichkeiten und politische GestalterInnen – und das besser heute als morgen. Wir stehen als Fachgruppe bereit.“

28. November 2017

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON

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