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Wie lange ist Armut noch weiblich?

Barbara Gross zum Weltfrauentag: Mit der Familiengründung gelangen Frauen häufig ins Hintertreffen und letztlich in die Armut.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März stellt die Volkshilfe Präsidentin Barbara Gross fest: „Rund 100 Jahre nach Einführung dieses ‚Feiertages‘ wird die erdrückende Mehrheit des Reichtums, der politischen Macht, der Medien, der Wissenschaft, der Technologie und des Militärs in überwältigendem Ausmaß von Männern kontrolliert. Frauen haben sich am Spielbrett der Gesellschaft zwar bewegt, allerdings zumeist seitwärts. Die Struktur des Bretts und die Spielregeln sind im Wesentlichen gleichgeblieben.“ So sind Frauen heute so gut ausgebildet, wie nie zuvor, dennoch erhalten sie für gleiche Arbeit weniger Gehalt und sind in Entscheidungs- und Führungspositionen stark unterrepräsentiert.

Höhere Armutsgefährdung

Während 14 Prozent der Frauen ab 20 Jahren armutsgefährdet sind, sind es bei den Männern ab 20 nur 12 Prozent. Je älter, umso größer wird der Unterschied: Von rund 200.000 armutsgefährdeten Menschen über 65 sind fast 140.000 Frauen – das entspricht 70 Prozent! Während Haushalte mit einem männlichen Hauptverdiener zu 11 Prozent armutsgefährdet sind, sind es 22 Prozent der Haushalte mit einer weiblichen Hauptverdienerin. Frauen sind demnach insbesondere dann von einer höheren Armutsgefährdung betroffen, wenn sie beispielsweise alleinerziehend oder Witwen sind.

Kein „Entweder-Oder“

Doch wie kann das sein, wenn mehr Frauen als Männer die Matura absolvieren, Studien mit akademischem Abschluss abschließen und die Erwerbstätigenquote von Frauen steigt? Barbara Gross: „Die steigende Erwerbstätigenquote von Frauen ist in erster Linie auf Teilzeitbeschäftigungen zurückzuführen. Gründe dafür sind fast immer Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene. Das führt zu niedrigeren Löhnen und Gehältern, in der Folge auch geringeren Pensionen und anderen sozialen Risiken und letztlich häufig zu Armut.“

Betreuungsinfrastruktur und Väterbeteiligung

Der Motor für mehr Chancengleichheit ist eine gute Betreuungsinfrastruktur und Väterbeteiligung, sagt die Volkshilfe Präsidentin: „Der Bedarf an Kinderbetreuungseinrichtungen ist nicht gedeckt – vor allem für unter Dreijährige und in ländlichen Regionen. Außerdem müssen sich ArbeitgeberInnen offener gegenüber der Beteiligung von Vätern bei der Kinderbetreuung zeigen. Es gibt zwar einen Rechtsanspruch, aber gern gesehen ist die Väterkarenz, die über die zweimonatige ‚Light-Version‘ hinausgeht nicht.“ Wobei es jedoch interessant sei, dass bei jenen Männern, die in Kinderauszeit geben, die Einkommenssituation nach Wiedereinstieg so gut wie nicht verändert.

Konkrete Maßnahmen

Es ist jedenfalls an der Zeit, der Situation entschiedene Schritte entgegenzusetzen – und zwar auf einer gesamtgesellschaftlichen, wie auf einer sozialpolitischen Ebene, sagt Barbara Gross abschließend: „Sprechen wir über Armut und Geschlechtergerechtigkeit, dann müssen wir auch über Verteilung sprechen. Über Verteilung von Arbeit, von Ressourcen (Geld und Zeit). Und von Zugängen und Perspektiven. Kritische Bewusstseinsarbeit muss endlich in Verbindung mit konkreten Maßnahmen gebracht werden.“

5. März 2019

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON

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