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Wohnschirm übernimmt künftig auch Energiekosten

Die letzten Monate waren geprägt durch einen Anstieg an Beratungen bei Räumungsklagen, Kündigungen und Delogierungsterminen. Allein in Wien gab es im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um fast 50% bei den Erstberatungen durch die Volkshilfe. Besonders betroffen sind Familien und Alleinerziehende mit Kindern. Eine rasche, niederschwellige Hilfe ist daher besonders wichtig. 



Das Projekt "Wohnschirm" unterstützt mit Mitteln des Sozialministeriums seit letzten März bei Mietnachzahlungen oder Umzügen in günstigere Wohnungen. Die Volkshilfe Wien hat das Konzept des Wohnschirms entwickelt und leitet die Umsetzung des Projekts österreichweit. Sie bringt jahrzehntelange Erfahrung in der Delogierungsprävention und Wohnberatung, mit FAWOS und anderen Einrichtungen mit. Über 5.200 Menschen konnten so vor Wohnungslosigkeit bewahrt werden.

Ab sofort wird der Wohnschirm durch eine Energiesicherung ergänzt, die rasch und niederschwellig bei ausstehenden Heizkosten hilft. Beantragt werden kann die Unterstützung ab sofort in einer der 100 Beratungsstellen österreichweit.


Rauch: „In Österreich muss niemand mehr frieren“


Viele Menschen haben bereits hohe Nachzahlungen für Strom, Gas oder Fernwärme erhalten, vielen weiteren steht das in den kommenden Wochen bevor. Der Wohnschirm des Sozialministeriums unterstützt deshalb Menschen mit geringem Einkommen ab sofort auch bei Rückständen von Energiekosten und bei Problemen mit der Höhe der Vorauszahlungen. Das gab Sozialminister Johannes Rauch in einer Pressekonferenz mit Vertreter:innen von Volkshilfe, Caritas, Diakonie und Österreichischem Roten Kreuz bekannt. „Wir stellen sicher, dass jeder in Österreich eine warme Wohnung hat. Bei uns muss niemand mehr frieren“, betont Rauch. Bis 2026 stehen insgesamt 134 Millionen Euro zur Verfügung.

Rund 500.000 Menschen in Österreich können ihre Wohnung nicht angemessen warm halten. Etwa ebenso viele haben Rückstände bei Miete, Betriebskosten oder Kreditraten. Das hat Statistik Austria im Auftrag des Sozialministeriums zuletzt in einer repräsentativen Befragung erhoben.

Zusätzlich machen die Steigerungen der Energiepreise vielen Menschen zu schaffen: „In den kommenden Monaten werden viele mit hohen Nachzahlungen konfrontiert sein, auch die Vorauszahlungen bei Strom, Gas oder Fernwärme werden erheblich steigen“, ist sich Sozialminister Johannes Rauch bewusst.


134 Millionen Euro für Unterstützungen


Seit März 2022 unterstützt der Wohnschirm des Sozialministeriums Menschen, die von einer Delogierung bedroht sind. Das Programm übernimmt Rückstände bei Mieten und Betriebskosten und unterstützt bei der Vermittlung und Übersiedlung in eine neue, leistbare Wohnung. Seit dem Start wurden bereits über 2.300 Wohnungen gesichert und damit über 5.200 Menschen vor der Wohnungslosigkeit bewahrt. Die Bundesregierung hat die finanziellen Mittel für den Wohnschirm im vergangenen Jahr von ursprünglich 24 Millionen Euro auf 134 Millionen Euro aufgestockt.


Rückstände bei Strom und Heizung abgedeckt


Mit den zusätzlichen Mitteln unterstützt der Wohnschirm Menschen mit geringem Einkommen ab sofort auch bei den Energiekosten. Reichen die bestehenden Unterstützungsleistungen der Bundesländer nicht aus, übernimmt der Wohnschirm Rückstände bei den Energiekosten.

Zusätzlich gibt es bei Bedarf eine finanzielle Unterstützung zur Deckung erhöhter Vorauszahlungen. Sie ist nach Haushaltsgröße gestaffelt und deckt circa ein Drittel der jährlichen Energiekosten ab. Ein Ein-Personen-Haushalt erhält maximal 660 Euro, ein Zwei-Personen-Haushalt bis zu 1.060 Euro, ein Drei-Personen-Haushalt maximal 1.460 Euro, ein Vier-Personen-Haushalt maximal 1.620 Euro. Für jede weitere Person im Haushalt gibt es bis zu 140 Euro.

Sowohl die Übernahme von Rückständen als auch die zusätzliche Unterstützung für die laufenden Kosten ist einmal im Jahr möglich. Anspruchsberechtigt sind grundsätzlich Personen aus dem unteren Einkommensdrittel der Bevölkerung.


Über 100 Beratungseinrichtungen


Ein bundesweites Netz von aktuell über 100 Einrichtungen der Volkshilfe, der Caritas, der Diakonie und des Roten Kreuzes sorgen für einen einfachen Zugang zu den Leistungen des Wohnschirms. Diese Sozialeinrichtungen betreuen bereits viele Menschen mit geringem Einkommen und können die Leistungen aktiv anbieten.

„Anders als etwa die Heizkostenzuschüsse der Länder ist der Wohnschirm mit einer Beratung verknüpft. Die Berater:innen können damit individuell auf die Situation der Betroffenen eingehen“, betont Sozialminister Johannes Rauch. Sie könnten Betroffene auch zum Wechsel des Energieanbieters, zum Energiesparen und weiteren Unterstützungsangeboten beraten. Über die Homepage www.wohnschirm.at sind nahegelegene Beratungsstellen leicht zu finden, auch eine Terminvereinbarung ist möglich.


Johannes Rauch, Gesundheits- und Sozialminister: „Erstmals können wir sagen: In Österreich muss niemand mehr frieren. Wir stellen sicher, dass jeder und jede eine warme Wohnung hat. Als Bundesregierung haben wir in den vergangenen Monaten umfassende Maßnahmen gesetzt: drei Anti-Teuerungspakete, die Valorisierung aller Sozialleistungen, die Strompreisbremse und die Heizkostenzuschüsse der Länder sorgen dafür, die Folgen der Teuerungen bestmöglich abzufedern. Der Wohnschirm mit seiner neuen Energiesicherung ergänzt diese Maßnahmen optimal und unterstützt zielgerichtet jene Menschen, die es wirklich brauchen. Er ermöglicht nicht nur den Verbleib in den eigenen vier Wänden und verhindert Obdachlosigkeit, sondern sorgt nun auch dafür, dass Strom und Heizung leistbar bleiben. Die Umsetzung und der einfache Zugang wird durch die hervorragende Arbeit der Volkshilfe, der Caritas, der Diakonie und dem Roten Kreuz sowie anderer Organisationen ermöglicht, für deren Arbeit ich mich sehr herzlich bedanke!“


Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich: „Die letzten Monate waren geprägt durch einen Anstieg an Beratungen bei Räumungsklagen, Kündigungen und Delogierungsterminen. Allein in Wien gab es im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um fast 50% bei unseren Erstberatungen. Besonders betroffen sind Familien und Alleinerziehende mit Kindern. Eine rasche, niederschwellige Hilfe ist daher besonders wichtig. Diese soll jetzt auch im Bereich Energiekosten geleistet werden.“


Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich: „Wir sehen in unseren Sozialberatungsstellen: Die Angst vor dem Kälteeinbruch, die Angst vor dem Frieren in den eigenen vier Wänden ist nach wie vor groß und wir wissen heute nicht, wie stark die Preise noch steigen werden. Energie darf kein Luxusgut sein oder werden, denn eine geheizte Wohnung ist Grundvoraussetzung für ein gelingendes Leben. Daher ist die Erweiterung des Wohnschirms um die Energiesicherung enorm wichtig und für viele Menschen ein Rettungsanker, der sie in dieser Krise nochmals aufatmen lässt.“


Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich: „Wir alle brauchen eine Wohnung, wir alle brauchen es warm. Wohnen und Energie sind Grundbedürfnisse aller Menschen, und es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass diese Bedürfnisse für alle Menschen in Österreich gedeckt sind. Der Wohnschirm schützt mit seiner neuen Energiesicherung nun noch mehr Menschen wie ein Fallschirm vor dem Absturz.“


Michael Opriesnig, Generalsekretär Rotes Kreuz Österreich: „Der Wohnschirm mit seiner neuen Energiesicherung bietet Menschen, die von Armut betroffen oder gefährdet sind, die Möglichkeit, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, statt in Dunkelheit und Kälte zu verharren. Unser Ziel ist eine solidarische Gesellschaft, die die Schwächsten nicht vergisst. Immer – in guten Zeiten und ganz besonders in Krisenzeiten.“

Foto vlnr.: Michael Opriesnig, Anna Parr, Johannes Rauch, Erich Fenninger, Maria Katharina Moser

16. Januar 2023

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