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Sozialbarometer Umfragen

Arbeit & Arbeitslosigkeit

Am 30. April ist der Tag der Arbeitslosen, für hunderttausende Menschen in Österreich ist dieser Zustand ihre traurige Realität. Für die Volkshilfe ist es eine Frage der Gerechtigkeit, niemand aus dem Erwerbsleben auszuschließen, denn damit geht auch ein gesellschaftlicher Ausschluss einher.

Im Auftrag der Volkshilfe hat das Institut SORA die Menschen in Österreich über ihre Einstellungen zu einigen aktuellen Themen rund um den Arbeitsmarkt befragt. „Manche strukturellen Probleme wurden in der Corona-Krise sichtbarer, wie durch eine Lupe vergrößert“, leitete der Direktor der Volkshilfe Österreich Erich Fenninger die Präsentation der Umfrageergebnisse im Rahmen der heutigen Online-Pressekonferenz ein.

Große Mehrheit für bessere Entlohnung

Die Krise hat gezeigt, dass eine bessere Entlohnung von systemrelevanten Gesundheits- und Sozialdienstleistungen dringend notwendig ist. Eine große Mehrheit von 87% der Menschen in Österreich befürworten das. „Die unterfinanzierte Branche hat sich als systemerhaltend und menschenrettend erwiesen, das erkennen die Menschen“, so Fenninger.  

Zustimmung für 35-Stunden-Woche im Sozialbereich

Es stimmen 7 von 10 Befragten der Forderung nach einer generellen 35-Stunden-Woche zu.  „Die Belastung für die Beschäftigten ist auch außerhalb von Krisenzeiten sehr hoch, daher braucht es die Entlastung, um mehr Menschen für den Sozialbereich zu gewinnen“, kommentiert Fenninger das Ergebnis. 

Laut einer aktuellen Studie der Universität Wien, publiziert von Politologin Barbara Prainsack, berichten vor allem arbeitslose Menschen und Personen in der Mindestsicherung von einer Zunahme existenzieller Ängste. „Dies stellen wir auch bei Kindern fest. Die Sorgen und finanziellen Probleme der Eltern werden zu Ängsten der Kinder“, so Fenninger. Daher haben wir gefragt, wie die Menschen zu Bezugssperren des Arbeitslosengeldes stehen.

Keine Bezugssperren des Arbeitslosengeldes oder der Notstandshilfe

Die meisten Menschen in Österreich (59%) wollen keine Kürzungen oder Sperren bei den wichtigsten sozialen Absicherungssystemen, wie dem Arbeitslosengeld oder der Notstandshilfe.

Große Unterstützung für Mindestlohn von 1.750 Euro brutto für Vollzeit

Eine große Mehrheit von 87% der österreichischen Bevölkerung spricht sich für höhere Mindestlöhne aus. Derzeit liegen viele systemrelevante Branchen wie Handel oder Reinigung noch deutlich darunter. Eine Erhöhung der Mindestlöhne würde auch eine  bessere Absicherung im Fall einer Arbeitslosigkeit bringen.

Ablehnung des 12-Stunden Tags

Der gegen großen Widerstand eingeführte 12-Stunden-Tag stößt in der Bevölkerung auf wenig Zustimmung: Rund 6 von 10 Menschen sprechen sich dezidiert für seine Abschaffung aus. Die Regelung ist eindeutig nicht im Sinne der Mehrheit der ArbeitnehmerInnen.

Männer sollten sich in gleichem Ausmaß an der Elternkarenz Beteiligen wie Frauen

Insgesamt sprechen sich rund zwei Drittel (67%) der Menschen in Österreich für eine gleiche Verteilung der Elternkarenz zwischen den Geschlechtern aus. Obwohl dies den Frauen ein leicht größeres Anliegen ist (70%), ist auch die Mehrheit der Männer dafür (63%).

„Zusammenfassend sieht man deutlich, dass sich die Menschen eine bessere soziale Absicherung wünschen. Daher erneuere ich meine Forderung nach einer dringenden Anhebung der Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld auf mindestens 70%, auch über die Krise hinaus. Denn vor allem Niedrigverdiener können vom derzeitigen Arbeitslosengeld nicht leben. Und zur Koordinierung der Maßnahmen braucht es eine Taskforce soziale Sicherung. Denn Wirtschaftsrettungsschirme ersetzen keine Menschenrettungsringe.“, so Erich Fenninger abschließend.

29. April 2020

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