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Angst um den Arbeitsplatz

Aktuell sind 436.350 Personen arbeitslos oder befinden sich in Schulung. Mit jenen in Kurzarbeit sind mehr als 900 000 Menschen betroffen. Wie viele ÖsterreicherInnen machen sich akut Sorgen um ihren Arbeitsplatz? Welche Absicherung würden sie sich wünschen? Und wie stehen sie zu Arbeitszeitverkürzung? Wir haben die Menschen in Österreich in Zusammenarbeit mit SORA* repräsentativ befragt.



Menschen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz

Die ArbeitnehmerInnen befinden sich im Krisenmodus. Die COVID-19-Pandemie hat zur schwersten Arbeitsmarktkrise seit 2008 geführt. Arbeiter*innen mit geringer Ausbildung, junge Menschen, Frauen und Personen ohne fixe Anstellung sind mit den größten Einbußen konfrontiert. Mehr als 1/3 der Arbeitnehmer*innen macht sich Sorgen um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. Nur 28% der Befragten machen sich „gar keine Sorgen“. Ein echtes Alarmsignal.

Befragte wollen bessere Absicherung bei Arbeitslosigkeit

Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes verursacht starke psychische Belastungen. Die Menschen wissen, dass die existenzielle Absicherung bei Jobverlust in Österreich mangelhaft ist. Daher fordern 92% der von Arbeitslosigkeit Betroffenen und 73% der Arbeiter*innen die Anhebung der Nettoersatzrate von 55 auf 70%. Insgesamt spricht sich eine klare Mehrheit, mehr als sechs von zehn Befragten bzw. 63%, dafür aus, dass das Arbeitslosengeld dauerhaft existenzsichernd von derzeit 55% auf 70% des Nettoeinkommens erhöht wird.

Klare Zustimmung zur höheren Entlohnung

Sie gelten als systemrelevant, sind einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt, aber arbeiten in einer Branche, die chronisch unterfinanziert ist. Die Rede ist von Gesundheits- und Sozialberufen, wie Pflegekräfte oder Kleinkindpäda-gog*innen. Knapp drei Viertel der Beschäftigten in der Altenpflege halten es für nicht wahrscheinlich, dass sie ihren Job auch noch mit 60, bzw. mit 65 Jahren ausüben können. Die Pandemie hat auch in der breiten Bevölkerung mehr Verständnis für die Arbeitsbedingungen in diesem wichtigen Bereich ausgelöst, eine große Mehrheit von 94% fordert daher dringend eine bessere Entlohnung für Gesundheits- und Sozialberufe.

Für höhere Mindestlöhne

Im Niedriglohnsektor gibt es einen vergleichsweise hohen Anteil von Working Poor, d.h. von Menschen, die trotz Vollzeitarbeit armutsbetroffen sind. Sie arbeiten z.B. in der Gastronomie, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen. Bekanntlich fallen viele der systemrelevanten Jobs noch immer unter den Mindestlohn – beim weiblichen Reinigungspersonal ist die Lage mit einem Durchschnittgehalt von 12.700 Euro brutto jährlich besonders prekär. Generell spricht sich eine sehr starke Mehrheit von 88% der Menschen in Österreich für einen Mindestlohn von 1.750,- brutto für eine Vollzeitstelle aus. Das ist ein starker Auftrag für die Sozialpartner und die Regierung.

Frauenspezifische Förderprogramme ausbauen

Frauen trifft die Pandemie besonders stark: Sie arbeiten in den Branchen, in denen durch die Krise besonders große Einkommens- und Arbeitsplatzverluste zu verzeichnen sind, wie im Gastgewerbe. Frauen stellen zudem weltweit etwa 70 Prozent der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Sozialwesen, in dem sie einem größeren Risiko ausgesetzt sind, an Covid-19 zu erkranken. Frauen verdienen nach wie vor eklatant weniger als Männer (rund 20%), ihre Pension ist im Durchschnitt nochmals deutlich geringer (um 40-50%). Mehr als acht von zehn Befragten (85%) sprechen sich für den Ausbau von frauenspezifischen Förderprogrammen aus, um Benachteiligungen abzubauen. Wenngleich die Zustimmung bei den befragten Frauen etwas höher ausfällt (91%), stimmen auch nahezu acht von zehn Männern (78%) dieser Aussage zu.

*SORA-Umfrage ARBEITSMARKT, April 2021. Das Volkshilfe Sozialbarometer „misst“ in regelmäßigen Abständen soziale Parameter in diesem Land. Aus Anlass des Tags der Arbeitslosen am 30. April hat SORA im Auftrag der Volkshilfe eine aktuelle, repräsentative Umfrage zu Arbeitsmarkt-Themen erstellt. Die veröffentlichten Studien-Ergebnisse widmen sich dem Thema „Arbeitsmarkt“ und beruhen auf 1.034 face-to-face Interviews österreichweit mit Personen ab 15 Jahren (Feldzeit von 4.3. bis 29.3.2021).

 

Foto © samuel - stock.adobe.com

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