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Arbeitsmarktreform darf nicht zur Armutsfalle werden

Volkshilfe fordert Erhöhung des Arbeitslosengeldes und Nicht-Antasten der Zuverdienstgrenzen

 

„Das Arbeitslosengeld in seiner bestehenden Form ist keine Absicherung der Existenz. Frauen erhalten durchschnittlich 900 Euro. Damit kann eine Alleinverdienerin ihre Familie nicht ernähren! Morgen ist der Internationale Frauenkampf-Tag, es gibt keinen besseren Anlass, das Arbeitslosengeld endlich zu erhöhen.“

... so Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, anlässlich der heutigen Enquete zur Arbeitslosenversicherung Neu.



Keine Restriktionen, sondern soziale Absicherung

Fenninger verwehrt sich gegen jegliche Form der Restriktionen im Arbeitslosenbereich. „Eine Arbeitsmarktreform darf nicht zur Armutsfalle werden. Wir brauchen eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes, keine Verschärfungen. Schon jetzt zahlt Österreich im EU-Vergleich ein besonders niedriges Arbeitslosengeld aus. Wir haben auch einen hohen Anteil an Langzeiterwerbslosen – das verweist auf strukturelle Probleme“, so Fenninger. Im Februar 2022 galten 105.649 Menschen als langzeitbeschäftigungslose Arbeitslose, waren also seit bereits mehr als einem Jahr ohne Job - etwa die Hälfte davon sind Frauen. Sie trifft verfestigte Arbeitslosigkeit ganz besonders. Die Volkshilfe Österreich unterstützt auch das Volksbegehren Arbeitslosengeld rauf.


Zuverdienst sichert Kinder ab

Fenninger erzählt, dass die Volkshilfe in ihrer sozialen Arbeit mit Armutsbetroffenen tagtäglich mit der Frage des Überlebens mit dem Arbeitslosengeld konfrontiert ist. Insbesondere Alleinerziehende, und hier vor allem die Frauen, haben mit einer Quote von 45% die höchste Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich. „Die Möglichkeit auf den geringfügigen Zuverdienst während der Arbeitslosigkeit ist für viele alleinerziehende Frauen eine gute Möglichkeit, das Haushalteinkommen während der Jobsuche aufzubessern, wie etwa die Geschichte von Frau Dorner zeigt." 

„Die junge Mutter eines dreijährigen Kindes, für das sie primär alleine sorgt, ist Teil unseres Projekts Existenzsicherung. Sie selbst wuchs in Armut auf, für ihre Tochter wünscht sie sich eine bessere Zukunft. Frau Dorner versuchte nach dem Ende ihrer Karenz wieder eine Vollzeitbeschäftigung aufzunehmen, das ließ sich aber nicht mit der Betreuung ihres Kindes vereinbaren. Mit Unterstützung des AMS hat Frau Dorner eine überbetriebliche Lehre im gärtnerischen Bereich begonnen, die ihr die Vereinbarung von Ausbildung und Kind ermöglicht. Um sich nebenbei etwas dazu zu verdienen, arbeitet sie am Wochenende, wenn das Kind bei den Großeltern ist geringfügig. Der Zuverdienst ermöglicht es Frau Dorner ein wenig Geld auf das Sparbuch ihres Kindes zu legen und auch das Eltern-Kind-Turnen zu bezahlen, das ihrem Kind so viel Freude macht“, erzählt Fenninger aus der Praxis der Sozialen Arbeit der Volkshilfe Österreich. Der Zuverdienst zum Arbeitslosengeld dürfte nicht verringert werden, resümiert Fenninger abschließend und schließt sich damit anderen sozialen Initativen wie arbeit plus an.

9. März 2022

Rückfragen & Kontakt:

Ruth Schink
+43 676 83 402 222
ruth.schink@volkshilfe.at

 

 

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