Marc Dengler von Greenpeace Österreich und Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger halten auf einer Straße ein Transparent mit der Aufschrift „HITZESCHUTZ JETZT!“.

Hitze in Wohnungen

Live-Messungen zeigen Hitzefalle für armutsbetroffene Senior*innen

Die aktuelle Hitzewelle verschärft die Situation für viele armutsbetroffene ältere Menschen. Live-Messungen der Universität für Bodenkultur (BOKU), die gemeinsam mit Greenpeace und der Volkshilfe durchgeführt werden, zeigen: Hitze in Wohnungen wird für Senior*innen zunehmend zur Gesundheitsgefahr. Die Volkshilfe fordert daher wirksamen Hitzeschutz, eine Sanierungsoffensive und gezielte Maßnahmen gegen Altersarmut.

 

Gemeinsam mit Greenpeace begleitet die Volkshilfe in diesem Sommer ein Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur (BOKU), bei dem die Temperaturen in zwölf Wiener Altbauwohnungen laufend gemessen werden. Darunter befinden sich auch Wohnungen armutsbetroffener Senior*innen. Die ersten Ergebnisse der aktuellen Hitzewelle zeigen eine alarmierende Entwicklung: In mehreren Wohnungen wurden bereits Temperaturen von über 28 Grad gemessen, in einer 33 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung sogar bis zu 30 Grad.

Zwischen gestern 8:00 Uhr und heute 8:00 Uhr waren alle untersuchten Wohnungen mindestens sieben Stunden lang wärmer als die Außentemperatur. In der Wohnung eines armutsbetroffenen Pensionisten lag dieser Zeitraum sogar bei knapp 13 Stunden. Sieben Wohnungen kühlten auch in der Nacht nicht unter 27 Grad ab. Für ältere Menschen bedeutet diese anhaltende Belastung ein erhebliches Gesundheitsrisiko.

 

Hitze in Wohnungen verschärft die Folgen von Altersarmut

„Armutsbetroffene Menschen sind der Hitze stärker ausgesetzt. Viele leben in engen, schlecht sanierten Wohnungen ohne Sonnenschutz, die wiederum in heißen Wohnvierteln mit weniger Grün liegen. Betroffene haben schlichtweg nicht das Geld für den Kauf von Jalousien, die Anschaffung und das Betreiben von Kühlgeräten, oder auch nur einen kühlenden Besuch im Schwimmbad. Bei älteren Menschen kommt erschwerend hinzu, dass sie häufig nicht mehr mobil genug sind, um kühlere Orte aufzusuchen. Dadurch sind sie den extremen Temperaturen in ihren eigenen vier Wänden schutzlos ausgeliefert“, so Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.

Die aktuellen Live-Messungen bestätigen frühere Erkenntnisse der Volkshilfe. Bereits die Auswertung „Hitzebelastung armutsbetroffener Familien“ zeigte, dass Menschen mit geringem Einkommen besonders häufig in überhitzten Wohnungen leben und finanzielle Möglichkeiten zur Abkühlung oft fehlen.

Auch Umweltmediziner*innen warnen vor den gesundheitlichen Folgen anhaltend überhitzter Wohnungen. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, weil ihr Körper hohe Temperaturen schlechter ausgleichen kann. Hitze erhöht unter anderem das Risiko für Kreislaufprobleme, Schwindel, Stürze und Verwirrtheitszustände.

 

Hitzeschutz braucht politische Maßnahmen

Die Messergebnisse machen deutlich, dass Hitzeschutz längst eine soziale Frage ist. Gemeinsam mit Greenpeace fordert die Volkshilfe deshalb eine umfassende Sanierungsoffensive, mehr Begrünung in Wohngebieten sowie die gesetzliche Verankerung von Hitzeschutz im Mietrecht. Darüber hinaus braucht es Notfallpläne für Hitzewellen, die gemeinsam mit älteren Menschen, Personen mit Pflegebedarf und anderen besonders gefährdeten Gruppen entwickelt werden.

Die Volkshilfe fordert außerdem eine Verbesserung der finanziellen Situation armutsbetroffener älterer Menschen, etwa durch eine Anhebung des Ausgleichszulagenrichtsatzes. Denn wer in Armut lebt, hat oft weder die Möglichkeit, die eigene Wohnung ausreichend zu kühlen, noch auf kühlere Orte auszuweichen.

Die aktuellen Messdaten der BOKU können während des Sommers laufend online im Hitze-Dashboard mitverfolgt werden. Die Sensoren erfassen kontinuierlich die Innenraumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit und machen so sichtbar, wie stark sich Wohnungen während einer Hitzewelle aufheizen.

 

Foto: © Lea Scharl / Greenpeace

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Judith Ranftler von der Volkshilfe Österreich gibt auf einer Straße ein Interview vor einem ORF-Mikrofon.