Mitarbeiter:innen von Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotem Kreuz und Volkshilfe stehen mit Protestschildern vor dem österreichischen Parlament und fordern eine Pflegereform sowie bessere Rahmenbedingungen für Pflege und Langzeitpflege.

Pflegereform

Stillstand verschärft Pflegekrise und Pflegenotstand

Zum Internationalen Tag der Pflegenden fordern Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe einen transparenten Reformprozess für die Pflege in Österreich. Die Organisationen warnen davor, dass der politische Stillstand in der Pflegereform den Pflegenotstand verschärft und langfristig höhere Kosten verursacht.

 

Mit einer gemeinsamen Aktion vor dem Parlament machten die Organisationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) auf die dringend notwendigen Reformen in der Langzeitpflege aufmerksam. Symbolisch wurde eine „Blackbox Pflegepolitik“ vor dem Parlament aufgestellt. Die BAG-Organisationen betreuen und pflegen gemeinsam täglich rund 155.000 ältere und chronisch kranke Menschen in Österreich.

„Die Kompetenzverschneidungen zwischen Bund und Ländern dürfen nicht zu Stillstand und Lähmung der Pflegepolitik führen. Aber genau diesen Eindruck haben wir derzeit“, erklärte Elisabeth Anselm, Geschäftsführerin des Hilfswerk Österreich und derzeitige Vorsitzende der BAG.

 

Pflegereform darf nicht länger verschleppt werden

Die Organisationen kritisieren, dass zentrale Reformen in der Pflege seit Jahren ausbleiben. Gleichzeitig steige der Druck auf pflegebedürftige Menschen, Angehörige und Beschäftigte im Pflegebereich kontinuierlich an.

Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Langzeitpflege: „Der Ausbau der Langzeitpflege verlangt verbindliche Qualitätsstandards, klare Personalschlüssel und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Pflege- und Gesundheitssystem. Gerade an den Schnittstellen entstehen Versorgungslücken und unnötige Mehrkosten, die politisch nicht länger ausgeblendet werden dürfen. Leistbare Pflege ist eine zentrale Zukunftsfrage unserer Gesellschaft, eine Säule unseres Sozialstaats. Sie muss österreichweit harmonisiert und rasch abgesichert werden.“

Fenninger betont außerdem, dass Pflege und Betreuung zu Hause deutlich leistbarer werden müssen. Vier von fünf Menschen in Österreich möchten im Alter in den eigenen vier Wänden leben. Gleichzeitig geraten viele Familien durch Pflegearbeit finanziell massiv unter Druck. Investitionen in mobile Dienste und soziale Unterstützung könnten helfen, teurere stationäre Versorgung zu vermeiden.

 

Langzeitpflege und Gesundheit besser verbinden

Auch die mangelhafte Abstimmung zwischen Gesundheits- und Pflegesystem sorgt laut den Organisationen für hohe Kosten und Versorgungslücken. Viele ältere Menschen würden unnötig lange in Spitälern verbleiben oder müssten aufgrund fehlender Unterstützung frühzeitig in Pflegeheime wechseln.

Die BAG fordert deshalb:

  • mehr Unterstützung für Pflege zu Hause
  • bessere Entlastung pflegender Angehöriger
  • den Ausbau mobiler Dienste
  • mehr Rehabilitationsangebote
  • eine stärkere Nutzung digitaler Lösungen in der Pflege
  • österreichweit einheitliche Qualitätsstandards in der Langzeitpflege

Die Organisationen warnen, dass ohne rasche Pflegereform weder die demografischen Herausforderungen noch der zunehmende Pflegenotstand bewältigt werden können.

 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) ist der größte Verbund von Langzeitpflege-Anbietern in Österreich. Seit 1995 arbeiten Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe gemeinsam an der Weiterentwicklung sozialer Dienstleistungen und der Pflegeversorgung.

Alle Fotos von der Aktion hier © Hilswerk Österreich/APA-Fotoservice/Richard Tanzer