Sozialbarometer Pflege
Sorge wächst, Druck auf Politik steigt
Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Menschen in Österreich blickt laut Sozialbarometer Pflege der Volkshilfe mit Sorge auf die eigene Pflegezukunft oder jene von Angehörigen (siehe Grafik). Die Ergebnisse der aktuellen Pflege-Umfrage zeigen deutlich: Der Handlungsdruck auf die Politik wächst.
Die Ergebnisse des Sozialbarometers Pflege 2026, einer Umfrage der Volkshilfe gemeinsam mit dem Foresight Institut, zeichnen ein klares Bild: 55 Prozent der befragten Menschen blicken mit Sorge auf ihren zukünftigen Pflegebedarf oder jenen von Angehörigen. Besonders besorgt sind Menschen mit geringem Einkommen sowie ältere Befragte ab 65 Jahren. Gleichzeitig äußern 71 Prozent auch Sorge um den Sozialstaat.
„Das verwundert wenig in Anbetracht des nächsten Sparbudgets, das gerade geschnürt wird. Besonders betroffen sind nämlich Menschen mit niedrigen Einkommen und ältere Personen. Wenn nicht bald gehandelt wird, werden immer mehr kranke Menschen im Alter auf sich allein gestellt sein. Es droht ein prekärer Ausnahmezustand“, warnt Ewald Sacher, Präsident der Volkshilfe Österreich.
Sozialbarometer Pflege zeigt steigenden Handlungsdruck
„Die Sorgen der Menschen sind klar: Viele fürchten, Pflege wird für sie in Zukunft nicht mehr leistbar sein. Diese Kritik an der aktuellen Pflegepolitik zieht sich quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen“, betont Teresa Millner-Kurzbauer, Bereichsleitung Pflege bei der Volkshilfe.
Gleichzeitig sehen zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) politischen Handlungsbedarf, um die Qualität und Leistbarkeit der Pflege in Österreich sicherzustellen. In dieser Frage ist die Kritik der Bevölkerung gewachsen. Noch vor wenigen Jahren bewerteten weniger Menschen die Maßnahmen der Regierung im Pflegebereich als unzureichend (63 Prozent).
Mehrheit fordert einheitliches Pflegesystem
Eine überwältigende Mehrheit von 82 Prozent spricht sich für eine österreichweit einheitliche Regelung des Pflege- und Betreuungsangebots aus. „Der derzeitige ,Fleckerlteppich‘ wird als ungerecht und nicht mehr zeitgemäß wahrgenommen“, hält Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, fest. Gleichzeitig fühle sich nur eine Minderheit ausreichend über Pflegealternativen informiert.
Die Ergebnisse seien klare Zeichen für strukturelle Defizite und mangelnde Transparenz, so Fenninger.
Volkshilfe fordert Reform der Pflegefinanzierung
„Wir fordern eine nachhaltige Pflegefinanzierung, den Ausbau mobiler Dienste, eine Reform des Pflegegeldes sowie verbindliche Qualitätsstandards. Pflege zu Hause darf kein Luxus sein“, stellt Fenninger klar.
Zudem brauche es mehr Unterstützung für pflegende Angehörige und eine bessere Verzahnung von Pflege- und Gesundheitssystem. „Die Volkshilfe fordert Bund und Länder eindringlich auf, rasch zu handeln und ein zukunftsfähiges, gerechtes Pflegesystem zu schaffen. Pflege ist eine zentrale Säule unseres Sozialstaats und sie muss für alle Menschen leistbar, zugänglich und qualitativ hochwertig sein“, so Fenninger.
Die Ergebnisse des Sozialbarometers Pflege verdeutlichen den dringenden Reformbedarf im österreichischen Pflegesystem.