Sozialhilfe reicht für viele Familien nicht aus
Umfrage zu Kinderarmut unter Fachkräften
Eine aktuelle Umfrage von Caritas und Volkshilfe zeigt: Viele Familien kommen trotz Sozialhilfe kaum über die Runden. Fachkräfte berichten von Einschränkungen bei Bildung, Wohnen und gesunder Ernährung. Besonders betroffen sind Kinder, Frauen und Alleinerziehende.
Für den gemeinsamen Praxischeck von Caritas und Volkshilfe wurden österreichweit 290 Fachkräfte befragt, die mit Kindern und Jugendlichen aus Sozialhilfe-Haushalten arbeiten. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Die bestehenden Leistungen reichen nicht aus, um Kindern ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen.
Kinderarmut und Sozialhilfe: Familien unter Druck
Caritas und Volkshilfe warnen davor, Familien, Frauen und Kinder zusätzlich unter Druck zu setzen. Die Organisationen fordern eine armutsfeste Sozialhilfe, eine Kindergrundsicherung sowie einen verpflichtenden Armuts-Check für Budgetmaßnahmen.
„Armut ist in Österreich Realität. Besonders betroffen sind Frauen, Kinder und Alleinerziehende. Trotzdem wird über weitere Belastungen und Einschnitte bei der Sozialhilfe diskutiert. Gerade mit Blick auf das bevorstehende Doppelbudget befürchten wir, dass ausgerechnet diese Gruppen weiter unter Druck geraten. Das bereitet uns große Sorgen“, sagt Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich.
Schlechteren Zugang zu Bildung
Für viele Kinder in Sozialhilfe-Haushalten ist eine gleichberechtigte Bildungsteilhabe nicht selbstverständlich. Es fehlen Mittel für Unterrichtsmaterialien, digitale Geräte, Nachhilfe oder Schulausflüge.
Rund 9 von 10 Praktiker*innen im Sozialbereich (87,6 %) halten eine vollumfängliche Bildungsteilhabe für Kinder in Sozialhilfehaushalten für nicht oder eher nicht möglich.
Fachkräfte berichten auch, dass Familien Schulden machen, damit ihre Kinder an Schulveranstaltungen teilnehmen können. Andere verzichten auf notwendige Ausgaben im Alltag, um Bildungsangebote finanzieren zu können.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Kinderarmut wirkt sich unmittelbar auf Entwicklungschancen aus und verstärkt bestehende Ungleichheiten.
Gesunde Ernährung für viele Familien unleistbar
Viele Fachkräfte bezweifeln, dass Familien mit Kindern in der Sozialhilfe dauerhaft eine gesunde Ernährung finanzieren können. Steigende Preise verschärfen die Situation zusätzlich.
Kinderarmut beeinflusst damit nicht nur die aktuelle Lebenssituation von Familien, sondern auch die gesundheitlichen Chancen von Kindern und Jugendlichen.
Fehlender Wohnraum als Problem
Kinderarmut zeigt sich auch in der Wohnsituation vieler Familien. Fast die Hälfte der befragten Fachkräfte nennt beengte Wohnverhältnisse als das größte Problem. Hinzu kommen fehlende Rückzugsmöglichkeiten, ungeeignete Lernplätze sowie Schwierigkeiten, Wohnungen ausreichend zu beheizen.
Die Wohnsituation beeinflusst damit nicht nur die Lebensqualität, sondern auch Bildung, Gesundheit und soziale Teilhabe von Kindern.
Caritas und Volkshilfe fordern soziale Absicherung statt weiterer Kürzungen
Vor dem Doppelbudget sprechen sich Caritas und Volkshilfe gegen weitere Belastungen für Familien, Frauen und Kinder aus. Die Organisationen fordern einen verpflichtenden Armuts-Check für alle Budgetmaßnahmen, eine armutsfeste Sozialhilfe mit bundesweiten Mindeststandards, eine echte Kindergrundsicherung sowie die Anpassung von Familienleistungen an die Inflation.
„Wer Armut ernsthaft bekämpfen will, darf das letzte soziale Netz nicht schwächen, sondern muss es stärken“, betonen Caritas und Volkshilfe.
Die vollständigen Ergebnisse des Praxischecks können hier (Teil I, Teil III) nachgelesen werden. Die vorliegenden Ergebnisse sind Teil III des gemeinsamen Praxischecks von Caritas und Volkshilfe.
Die Datenerhebung erfolgte österreichweit im Zeitraum Februar bis März 2026. Insgesamt nahmen rund 600 Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen der Sozialarbeit an der anonymen Online-Befragung teil.