Weltflüchtlingstag
Regierung hat Aufholbedarf bei Asylverfahren und Integration
Zum Weltflüchtlingstag fordert die Volkshilfe Österreich rasch wirksame Maßnahmen für eine bessere Integration von Geflüchteten. Im Fokus stehen schnellere Asylverfahren, ein früher Zugang zu Deutschkursen, Ausbildung und Arbeitsmarkt sowie eine nachhaltige Begleitung junger Menschen.
Junge Geflüchtete wollen lernen, arbeiten und sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. Doch viele starten nicht nur bei null, sondern im Minus: Abschlüsse werden nicht anerkannt, Deutschkurse sind schwer zugänglich, Beratung fehlt, Bürokratie bremst. Statt nachhaltiger Ausbildung und guter Arbeit landen viele in prekären Jobs mit schlechten Arbeitszeiten, niedriger Bezahlung und wenig Perspektive.
Frühe Integration schafft Perspektiven
„Junge Geflüchtete wollen lernen, arbeiten und sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. Doch viele starten nicht nur bei null, sondern im Minus: Abschlüsse werden nicht anerkannt, Deutschkurse sind schwer zugänglich, Beratung fehlt, Bürokratie bremst. Statt nachhaltiger Ausbildung und guter Arbeit landen viele in prekären Jobs mit schlechten Arbeitszeiten, niedriger Bezahlung und wenig Perspektive. Das ist kein individuelles Versagen. Das ist ein strukturelles Problem“, warnt Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.
Die Volkshilfe fordert, Integration in den Arbeitsmarkt von Anfang an zu ermöglichen. Dazu gehören ausreichend verfügbare Deutschkurse, die rasche Anerkennung von Qualifikationen, gezielte Beratung sowie ein niederschwelliger Zugang zu Ausbildung. Gerade für junge Menschen ist die Kombination aus Ausbildung und Deutschkursen entscheidend, um langfristige Perspektiven zu schaffen.
Asylverfahren: Warten verhindert Integration
Während des Asylverfahrens sind viele Menschen zum Stillstand gezwungen. Sie dürfen kaum arbeiten, haben oft keinen ausreichenden Zugang zu Ausbildung oder Sprachkursen und leben mit großer Unsicherheit. „Warten ist keine Integration“, betont Erich Fenninger. „Dieses Warten hat Folgen: soziale Isolation, psychische Belastung, verlorene Zeit. Später wird ein Einstieg in Arbeit und Ausbildung schwieriger.“
Ein Forschungsprojekt der Volkshilfe zur Arbeitsmarktintegration junger Schutzberechtigter zeigt, dass viele Hürden nach einem positiven Asylbescheid bereits während des Asylverfahrens entstehen. „Gerade bei jungen Geflüchteten braucht es ehestmöglich Ausbildungsmöglichkeiten und begleitende Beratung, um sich im österreichischen Bildungs- und Arbeitsmarktsystem zurecht finden zu können“, betont Fenninger.
Studie belegt wirtschaftliche Vorteile früher Integration
Eine von Caritas und Volkshilfe präsentierte Studie von Judith Kohlenberger und Julian Kettl zeigt zudem die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen: Eine verbesserte Bildungsbeteiligung junger Asylwerber*innen könnte die Erwerbsquote um 15 Prozent erhöhen und ein jährliches Einsparungspotenzial von 53 Millionen Euro schaffen.
„Die Ausweitung der Ausbildungspflicht auf junge Asylwerber*innen und eine Verbreiterung von zielgruppenspezifischen Angeboten wäre daher ein wichtiger Schritt“, so Fenninger. Mit Blick auf die aktuelle politische Debatte ergänzt er: „Die Regierung hat diesbezüglich Maßnahmen versprochen, redet derzeit aber nur über härtere Sanktionen, ohne tatsächlich etwas an der Integration zu verbessern.“