Frau sitzt mit einem Kind an einem Tisch und hilft beim Zeichnen oder Schreiben, auf dem Tisch liegen Stifte und Papier.

Kinderarmut steigt

411.000 Kinder in Österreich betroffen

Die Kinderarmut in Österreich ist deutlich gestiegen. Laut aktuellen EU-SILC-Zahlen sind 411.000 Kinder und Jugendliche von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen – das ist jedes vierte Kind.

 

Die neuen Daten der Statistik Austria zeigen eine dramatische Entwicklung: Im Jahr 2025 lebten 81.000 Kinder mehr unter der Armutsgefährdungsschwelle als noch im Jahr davor. Für viele Familien bedeutet das steigenden finanziellen Druck im Alltag – und für Kinder oft Verzicht auf zentrale Lebensbereiche wie Bildung oder Freizeit.

„411.000 Kinder und Jugendliche sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das ist jedes 4. Kind. 81.000 Kinder mehr lebten 2025 unter der Armutsgefährdungsschwelle. Das sind 81.000 Kinder mehr, die den finanziellen Druck spüren, der die Eltern belastet. 81.000 Kinder mehr, die vielleicht nicht wissen, ob sich die Sprachwoche wirklich ausgeht. Kinderarmut ist ein Skandal, Kinderarmut widerspricht den Kinderrechten und alle in der Politik sind nun angehalten, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Kinderarmut in Österreich zu bekämpfen”, reagiert Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, auf die aktuellen Zahlen.

 

EU-SILC: Kinderarmut in Österreich nimmt deutlich zu

Der starke Anstieg um 27,5 Prozent bei der Armutsgefährdung von Kindern zeigt, dass sich die soziale Lage weiter verschärft. Insgesamt waren im Jahr 2025 rund 1,7 Millionen Menschen in Österreich armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das entspricht 18,8 Prozent der Bevölkerung. Ein wesentlicher Grund: Einkommen sind zwar gestiegen, jedoch nicht für alle gleichermaßen. Vor allem Haushalte mit geringem Einkommen konnten von dieser Entwicklung nicht profitieren. Österreich ist damit insgesamt ungleicher geworden.

Zudem zeigt sich, dass Erwerbsarbeit nicht mehr ausreichend vor Armut schützt. Die Zahl der sogenannten Working Poor ist gestiegen – Menschen, die trotz Job ihren Lebensunterhalt kaum decken können.

 

Kindergrundsicherung als wirksame Maßnahme gegen Kinderarmut

Angesichts dieser Entwicklung bekräftigt die Volkshilfe ihre Forderung nach einer Kindergrundsicherung. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Kinderarmut zu halbieren. Von diesem Ziel ist Österreich aktuell weit entfernt. „Vom Ziel, Kinderarmut zu halbieren, ist die Regierung weit entfernt und diese Herausforderung wird immer größer. Wo bleibt also die Kindergrundsicherung?”

Die Volkshilfe unterstützt Maßnahmen, die Kinder aus der Sozialhilfe herauslösen und Familien durch Infrastruktur und Sachleistungen entlasten. Gleichzeitig warnt sie vor Budgetentscheidungen, die insbesondere Familien mit geringem Einkommen zusätzlich belasten. Eine Kindergrundsicherung würde gezielt dort ansetzen, wo Unterstützung am dringendsten benötigt wird – und ist aus Sicht der Volkshilfe der wirksamste Weg, um Kinderarmut rasch zu reduzieren.