Kinderarmut steigt
395.000 Kinder in Österreich betroffen
Die Zahl der von Armut oder Ausgrenzung bedrohter Kinder in Österreich ist deutlich gestiegen. Laut aktuellen EU-SILC-Zahlen sind 395.000 Kinder und Jugendliche von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen – das ist mehr als jedes fünfte Kind.
Die neuen Daten der Statistik Austria zeigen eine deutliche Verschärfung der Lage: Im Jahr 2025 lebten 65.000 Kinder mehr unter der Armutsgefährdungsschwelle als noch im Jahr davor – das ist ein Anstieg um 22 Prozent. Für viele Familien bedeutet das steigenden finanziellen Druck im Alltag – und für Kinder oft Verzicht auf zentrale Lebensbereiche wie Bildung oder Freizeit.
„395.000 Kinder und Jugendliche sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das ist mehr als jedes fünfte Kind. Im Jahr 2025 lebten 65.000 Kinder mehr unter der Armutsgefährdungsschwelle als im Jahr davor. Das sind 65.000 Kinder mehr, die den finanziellen Druck spüren, der die Eltern belastet. 65.000 Kinder mehr, die vielleicht nicht wissen, ob sich die Sprachwoche wirklich ausgeht. Kinderarmut ist ein Skandal, Kinderarmut widerspricht den Kinderrechten und alle in der Politik sind nun angehalten, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um Kinderarmut in Österreich zu bekämpfen“, reagiert Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, auf die aktuellen Zahlen.
EU-SILC: Soziale Lage bleibt angespannt
Insgesamt waren im Jahr 2025 rund 1,7 Millionen Menschen in Österreich armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das entspricht 18,6 Prozent der Bevölkerung. Die aktuellen EU-SILC-Daten zeigen zudem, dass steigende Einkommen nicht bei allen Menschen gleichermaßen ankommen. Vor allem Haushalte mit geringem Einkommen profitieren deutlich weniger von dieser Entwicklung.
Zudem zeigt sich, dass Erwerbsarbeit nicht für alle ausreichend vor Armut schützt. Die Zahl der sogenannten Working Poor ist gestiegen – Menschen, die trotz Job ihren Lebensunterhalt kaum decken können.
Kindergrundsicherung als wirksame Maßnahme gegen Kinderarmut
Angesichts dieser Entwicklung bekräftigt die Volkshilfe ihre Forderung nach einer Kindergrundsicherung. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Kinderarmut bis 2030 zu halbieren. Von diesem Ziel ist Österreich aktuell weit entfernt. „Vom Ziel, Kinderarmut zu halbieren, ist die Regierung weit entfernt und diese Herausforderung wird immer größer. Wo bleibt also die Kindergrundsicherung?“
Die Volkshilfe unterstützt Maßnahmen, die Kinder aus der Sozialhilfe herauslösen und Familien durch Infrastruktur und Sachleistungen entlasten. Gleichzeitig warnt sie vor Budgetentscheidungen, die insbesondere Familien mit geringem Einkommen zusätzlich belasten. Eine Kindergrundsicherung würde gezielt dort ansetzen, wo Unterstützung am dringendsten benötigt wird – und ist aus Sicht der Volkshilfe der wirksamste Weg, um Kinderarmut rasch zu reduzieren.