Ein Kind spielt an einem heißen Sommertag zwischen Wasserfontänen auf einem öffentlichen Platz.

Kinderarmut kennt keine Sommerpause

Sommerferien dürfen kein Luxus sein

Für viele Kinder in Österreich sind die Sommerferien keine Zeit der Erholung, sondern von Verzicht, sozialer Ausgrenzung und fehlenden Betreuungsangeboten geprägt. Die Volkshilfe fordert entschlossene Maßnahmen gegen Kinderarmut – von leistbarer Ferienbetreuung über Hitzeschutz bis hin zur Einführung einer Kindergrundsicherung.

 

Mit dem Ferienbeginn freuen sich viele Kinder auf eine unbeschwerte Auszeit. Für jedes fünfte Kind in Österreich sind die Sommerferien jedoch von finanziellen Sorgen geprägt. Kinderarmut bedeutet für viele Familien, dass weder ein gemeinsamer Urlaub noch kostenpflichtige Freizeitangebote möglich sind. Die Volkshilfe fordert daher entschlossene Maßnahmen, damit alle Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern erholsame Ferien erleben können.

„Alle Kinder verdienen die gleichen Voraussetzungen für ein gutes Aufwachsen, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Der finanzielle Hintergrund darf nicht darüber entscheiden, wer unbeschwerte Erlebnisse sammelt und wer sich ausgeschlossen fühlt. Alle Kinder brauchen nach einem anstrengendem Schuljahr Erholung, Gemeinschaft und schöne Erinnerungen“, betont Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich.

319.000 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren leben in einem Haushalt, der sich nicht einmal eine Woche Urlaub pro Jahr leisten kann. 38 Prozent der armutsgefährdeten Kinder können keine Erfahrungen im Urlaub machen und keine Erinnerungen ins nächste Schuljahr mitbringen.

 

Kinderarmut trifft Kinder auch in den Sommerferien

„Wer keinen Urlaub erlebt hat, kann nach den Ferien oft nicht mitreden. Viele Kinder haben das Gefühl, nicht dazuzugehören oder dass ihre Ferien nicht normal sind. Kinderarmut bedeutet damit auch soziale Ausgrenzung“, betont Fenninger.

Nicht nur fehlende Urlaubsmöglichkeiten belasten armutsgefährdete Familien. Auch die soziale Infrastruktur vor Ort entscheidet darüber, ob Kinder ihre Sommerferien sicher und abwechslungsreich verbringen können. Viele Familien leben in dicht verbauten städtischen Hitzeinseln. Der Besuch von Schwimmbädern oder klimatisierten Einrichtungen wie Museen ist für viele aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Die Volkshilfe fordert daher eine klimafitte soziale Infrastruktur sowie wirksame Hitzeschutzmaßnahmen auf Spielplätzen und in öffentlichen Aufenthaltsbereichen, damit Kinder auch an heißen Tagen ausreichend geschützt sind.

 

Ferienbetreuung muss für alle leistbar sein

Neun Wochen Sommerferien und zahlreiche Schließtage in Kindergärten stellen Familien jedes Jahr vor große organisatorische und finanzielle Herausforderungen. Gerade für berufstätige Eltern mit geringem Einkommen sind Ferienangebote häufig kaum leistbar.

Laut AK-Schulkosten-Studie 2023/2024 gaben Familien durchschnittlich 379 Euro für Ferienbetreuung und weitere 387 Euro für Nachhilfe in den Sommerferien aus. Direkt im Anschluss sorgt der Schulstart für die nächste finanzielle Belastung.

 

Kindergrundsicherung als wirksame Antwort auf Kinderarmut

„Die Volkshilfe fordert den raschen Ausbau kostenfreier zumindest aber leistbarer, qualitativ hochwertiger Ferienbetreuung für alle Kinder. Entscheidend bleibt aber die Einführung einer Kindergrundsicherung, die Kinderarmut bis 2030 halbiert. Nur wenn Kinderarmut wirksam bekämpft wird, werden Sommerferien für alle Kinder zu einer Zeit voller Erholung, Gemeinschaft und unbeschwerter Abenteuer“, schließt Erich Fenninger.