Zwei Kinder in Anzügen zeigen den Daumen nach oben. Vor ihnen liegen Geldscheine und Münzen, daneben stehen ein Sparschwein und große Säcke mit Dollarzeichen.

Zukunftsdepot

Staatlich befeuerte Ungleichheit

Das geplante Zukunftsdepot begünstigt vor allem Familien, die bereits Geld zurücklegen können. Für armutsbetroffene Kinder fehlt hingegen die Unterstützung im Alltag. Die Volkshilfe fordert eine existenzsichernde Kindergrundsicherung statt Steuervorteile für Wohlhabende.

 

„Wer Familien mit hohen Einkommen ein großzügiges Steuergeschenk macht und gleichzeitig die Richtsätze für Kinder in der Sozialhilfe drastisch kürzen will, befeuert soziale Ungleichheit bei Kindern“, kritisiert Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, die Einigung der Bundesregierung zum Zukunftsdepot. „Die Kinder- und Lebenshaltungskosten und damit der finanzielle Druck auf Familien steigt und steigt. Anstatt einer existenzsichernden Kindergrundsicherung kommt nun das Zukunftsdepot für Wohlhabende.“

 

Zukunftsdepot: Steuervorteile ungleich verteilt

Die Berechnungen zum Zukunftsdepot zeigen, wie ungleich die geplanten Steuervorteile verteilt wären: Laut ÖGB könnten nur zwei Prozent der Haushalte mit Kindern den Höchstbetrag von 5.000 Euro pro Kind und Jahr aufbringen. Eine Analyse der Arbeiterkammer kommt auf Basis des bisherigen Sparverhaltens zum Ergebnis, dass nur vier Prozent der Kinder in Haushalten leben, die das Zukunftsdepot voll ausschöpfen könnten.

Die Hälfte der Familien kann hingegen gar nichts sparen oder veranlagen. Wohlhabende Familien können dagegen vorhandene Ersparnisse in das steuerbegünstigte Zukunftsdepot umschichten. Sie erhalten damit eine Förderung für einen Vermögensaufbau, den sie ohnehin finanziert hätten.

 

Kinderarmut: Finanzielle Sicherheit wird heute gebraucht

Mehr als 400.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren – jedes vierte Kind – leben in einem Haushalt, der nicht einmal unerwartete Ausgaben von rund 1.570 Euro finanzieren kann. Bei 190.000 Kindern und Jugendlichen, das sind zwölf Prozent, bestehen im Haushalt Zahlungsrückstände.

„Wer jeden Euro für Miete, Lebensmittel und die nächste Stromrechnung braucht, kann keine Hunderte Euro monatlich für ein Wertpapierdepot zurücklegen“, so Fenninger mit Blick auf Daten der Statistik Austria.

„Diese Familien brauchen heute finanzielle Sicherheit, etwa, wenn die Waschmaschine kaputt geht, die Miete fällig wird oder Geld für einen Schulausflug fehlt. Ein Zukunftsdepot, das mangels Einkommen kaum befüllt werden kann, hilft ihnen dabei nicht. Gleichzeitig drohen die geplanten Kürzungen bei den Kinderrichtsätzen der Sozialhilfe ihre Existenzsicherung weiter zu verschlechtern.“

 

Kindergrundsicherung statt Kürzungen bei der Sozialhilfe

Fenninger fordert die Bundesregierung auf, die im Regierungsprogramm versprochene Kindergrundsicherung umzusetzen, anstatt in Zeiten des Sparbudgets Steuergeschenke für wohlhabende Familien zu schnüren.

Familien mit geringen finanziellen Ressourcen sind von bereits umgesetzten Sparmaßnahmen besonders betroffen – etwa von der ausgesetzten Valorisierung der Familienbeihilfe, also der ausbleibenden Anpassung an die Teuerung. Die geplanten Kürzungen bei den Kinderrichtsätzen der Sozialhilfe drohen ihre finanzielle Lage weiter zu verschärfen.

Kritisch sieht die Volkshilfe auch die Stärkung der Kapitalmärkte und der privaten Vorsorge zulasten eines zukunftssicheren Sozialstaats.