Erich Fenninger spricht bei einer Kundgebung für die Sozialhilfe in Linz im Oktober 2026 ins Mikrofon.

Sozialhilfe

Familie mit drei Kindern drohen 369 Euro weniger

Eine Familie mit drei Kindern könnte in Salzburg monatlich 369 Euro verlieren, wenn das Land die geplanten Bundesvorgaben übernimmt. Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Armut warnt die Volkshilfe vor Kürzungen bei Kindern und fordert eine Kindergrundsicherung.

 

Sozialhilfe: Breite Zustimmung statt Neiddebatte

Die öffentliche Debatte über Sozialhilfe ist häufig von Forderungen nach Kürzungen und Sanktionen geprägt. Die repräsentativen Umfragen der Volkshilfe zeigen hingegen eine breite Zustimmung zur sozialen Absicherung: Neun von zehn Befragten hielten sie im Sozialbarometer 2025 für eine wichtige staatliche Aufgabe. Durchgeführt wurde die österreichweite Befragung vom Institut Foresight.

„Dabei existiert die große Neiddebatte vor allem in den Medien. Im Gegensatz dazu, was medial gerne behauptet wird, wissen wir aus repräsentativen Umfragen, dass eine Mehrheit der Menschen in Österreich eine Sozialhilfe befürwortet, die Armut und soziale Ausgrenzung verhindert“, betont Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger.

 

Sozialhilfereform: Kürzungen drohen Kinderarmut zu verschärfen

Mit dem vorliegenden Entwurf zur Sozialhilfereform drohen vor allem Kürzungen bei Kindern. In Salzburg etwa könnte eine Familie mit drei Kindern monatlich 369 Euro verlieren, wenn sich das Bundesland an den geplanten, degressiven Vorgaben des Bundes orientiert. Das bedeutet: Für weitere Kinder in einer Familie wären niedrigere Unterstützungssätze vorgesehen.

Die Volkshilfe appelliert an die Verhandler*innen, sich nicht an Negativbeispielen wie der Steiermark, Ober- und Niederösterreich zu orientieren. Dort deckt die Unterstützung schon jetzt bei Weitem nicht die tatsächlichen Kinderkosten.

„Der derzeitige Vorschlag zur Sozialhilfereform leistet keine effektive Armutsbekämpfung. Im Gegenteil: Besonders für Kinder mit mehreren Geschwistern drohen deutliche Verschlechterungen. Dabei gibt es gar keine eindeutige wissenschaftliche Evidenz, dass Mehrkindfamilien wesentliche Einsparungspotenziale haben. Wer Familien mit mehr Kindern durch stark reduzierte Sätze sanktioniert, bestraft in erster Linie die Kinder selbst. Da sollte man sich in einem reichen Land wie Österreich fragen, ob wir das wollen“, so Fenninger.

 

Menschen unterstützen statt gegeneinander ausspielen

Menschen in Arbeit zu bringen, ist ein wichtiges Ziel. Dafür braucht es jedoch passende Maßnahmen und eine ehrliche Diskussion darüber, welche Unterstützung tatsächlich hilft.

„In den aktuellen Diskussionen hören wir vor allem, es gehe darum, Menschen in Arbeit zu bringen. Dieses Ziel begrüßen wir, nur die Maßnahmen dazu fehlen. In der Frage, ob arbeitsfähige Menschen durch Sanktionen schneller in Arbeit gelangen, fordern wir eine ehrliche Diskussion. Was stattdessen passiert, ist das Ausspielen von Geringverdiener*innen gegen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen entweder gar nicht arbeiten können oder nicht schneller in Arbeit kommen können“, warnt Fenninger.

 

Kindergrundsicherung: Alle Kinder verlässlich absichern

Für Erwachsene fordert die Volkshilfe eine existenzsichernde Sozialhilfe. Kinder sollen durch eine eigene Kindergrundsicherung abgesichert werden. Diese soll auch jene erreichen, deren Eltern trotz Erwerbsarbeit armutsbetroffen sind.

„Für Erwachsene braucht es eine Sozialhilfe, die existenzsichernd ist. Für Kinder fordern wir nach wie vor: Kinder raus aus der Sozialhilfe, rein in eine Kindergrundsicherung. Damit würden wir alle Kinder in Österreich absichern, auch jene benachteiligten Kinder, die bisher keine ausreichende Unterstützung bekommen, wie beispielsweise Kinder in Working Poor Familien“, so Fenninger.

Auch dafür gibt es breite Zustimmung: Im aktuellen Volkshilfe-Sozialbarometer 2026 des Instituts Foresight sprechen sich rund drei Viertel der Befragten für die Absicherung aller Kinder durch eine Kindergrundsicherung aus. Die Frage wurde vor dem Hintergrund gestellt, dass viele anspruchsberechtigte Menschen Sozialhilfe aus Angst oder Scham nicht in Anspruch nehmen.